Dienstag, 9. Oktober 2012

UPDATE: Falsche Bildverwendung in der SZ

Am 27. September hatte ich in meinem Blogbeitrag „SZ-Bildredaktion greift in die Klischee-Kiste“ bereits die fragwürdige Bebilderung eines SZ-Artikels diskutiert. Weitere Recherchen im Internet ergaben, dass das Bild, welches mit der Bildunterschrift „Vom Ziel eines eigenen Staates weit entfernt: Palästinenser werfen Steine auf israelische Sicherheitskräfte“ den Artikel über die (Nicht-) Thematisierung des Nahostkonflikts auf der UN-Generalversammlung bebilderte, aus einem völlig anderen Zusammenhang stammt. In der Online-Datenbank der Nachrichten-Agentur AP ist es einsehbar. Hier der Link. Es stammt schon vom 18. September diesen Jahres und zeigt Proteste im palästinensischen Flüchtlingslager Shuafat in Ost-Jerusalem gegen den Mohammed-Film. Damit ist noch fragwürdiger, warum es als Bebilderung des Artikels benutzt wurde, wenn nicht aus dem Grund visuelle Klischees zum Nahostkonflikt zu bedienen. Darüber hinaus ist die Bildunterschrift fragwürdig. Es ist zwar sachlich richtig, dass Palästinenser hier Steine schmeißen, aber der Anlass, welcher zu diesem Ereignis führt, wird nicht erwähnt und macht das Bild damit wertlos. Die Frage nach einem palästinensischen Staat jedenfalls wird im Bild nicht thematisiert.

Diese Bebilderung ist leider ein gutes Beispiel für eine zunehmende Praxis in den Bildredaktionen, Artikel im Sinne einer frei interpretierten Illustration des Artikel-Themas zu bebildern und damit ungenaue und zum Teil falsche Assoziation zwischen Bild-Inhalt und Artikeln herzustellen. Letztlich wird damit auch die Glaubwürdigkeit von Nachrichtenfotografie untergraben.

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