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Mittwoch, 6. Juni 2018

Krieg und Gewalt als Zirkelschluss


Unter dem Titel "Zirkelschluss" zeigt das Kasseler Museum für Sepulkralkultur drei fotografische Arbeiten, die sich mit dem Themenkomplex Fotografie und Krieg beschäftigen. Unter "Zirkelschluss" verstehen die Macher der Ausstellung den Teufelskreis, der aus der Logik von Gewalt entsteht: "Mein Feind ist böse, und weil er böse ist, ist er der Feind". Die Ausstellung präsentiert künstlerische Auseinandersetzungen "mit den Folgen eines Denkens in diesen Kategorien". Zu sehen ist die Arbeit "Targets" von Herlinde Koelbl, mit der sie dokumentiert, worauf Soldaten schießen, die Serie "The Afghans" von Jens Umbach mit großformatigen Porträts von Menschen, die in der Nähe von Bundeswehrcamps in Afghanistan leben und die Projekte "#Strike" und "#Surveillance" von Dieter Huber.



Zu sehen sind die Arbeiten in den temporären Ausstellungsräumen des Museums, die eine tolle Atmosphäre haben und grandiose Ausblicke auf das Fuldatal ermöglichen. Alle drei Arbeiten stellen für sich genommen spannende künstlerisch-fotografische Positionen auf den Gegenstand Konflikt und Gewalt dar. Wobei hervorzuheben ist, dass die Arbeit von Koelbl in Kassel als Videoinstallation präsentiert wird. Koelbl's Arbeit arbeitet gut die Routinen des militärischen Trainings auf Schießständen heraus und zeigt, welch unterschiedliche Gegenstände als Zielscheiben genommen werden, was zum Teil absurd anmutet. Umbach setzt afghanische Zivilisten in tollen Schwarz-Weiß-Aufnahmen vor einem weißen Hintergrund in Szene und ermöglicht es dem Betrachter, sich den Menschen unvoreingenommen zu nähern. Und Dieter Huber zeigt mit #Strike wie Einschusslöcher zu ästhetischen Artefakten werden können.

Gleichwohl zeigt die Ausstellung jedoch, wie Schwierigkeit der kuratorische Umgang mit dem Thema ist. So wirft der kuratorische Text einige spannende Fragen auf: "Wie kann ich mich schützen? Was darf ich präventiv tun, um mich zu verteidigen? Wie verhindere ich, dass mein Schutzbedürfnis andere bedroht und sie zur Aufrüstung drängt?" Gleichzeitig thematisieren die gezeigten Positionen diese Fragen, wenn überhaupt, nur am Rande. Des weiteren verlieren die Arbeiten extrem an Kraft, da sie ohne jegliche textliche Kontextualisierung präsentiert werden. Nur im Ausstellungsflyer finden sich zu jeder Arbeit zwei kurze Sätze was zu wenig ist, um die Arbeiten zu verstehen. So werden vor allem die Arbeiten von Umbach und Huber ausschließlich auf ihre – zugegebenermaßen sehr ästhetische – äußere Form reduziert. Insofern ist die Ausstellung selbst im Zirkelschluss gefangen, dass die Präsentation von fotografischen Positionen im White Cube eines Galerieraumes ausreicht, um Bedeutung zu produzieren.

Mittwoch, 2. März 2016

Back Stories – Krieg und Gewalt in Fotobuch und Graphic Novel


Am 3. März werde ich zusammen mit Michaela Zöhrer von der Universität Augsburg in Bonn eine Workshopeinheit in Form einer Fishbowl-Diskussion zum Thema „Krieg und Gewalt in Fotobuch und Graphic Novel“ anbieten.

Bilder von Krieg sind in Nachrichtenmedien und sozialen Netzwerken allgegenwärtig.
Dabei ist die bildnerische Darstellung von Konflikten in den Massenmedien meist
ereigniszentriert und fokussiert auf Gewalt und Leid. Vor allem in den sozialen Medien halten zudem zunehmend Bilder von Amateuren Einzug. Grundsätzlich ist somit eine Tendenz zur Verbreitung von visuellen Informationen in Echtzeit zu beobachten. Alternative, vor allem zeitintensivere Darstellungsformen von Konflikt und Gewalt sowie visuelle Hintergrundberichterstattung haben es vor diesem Hintergrund schwer, sich in Massenmedien und sozialen Netzwerken durchzusetzen. Aus diesem Grund weichen Produzenten zunehmend auf andere Formate wie das Fotobuch oder die Graphic Novel aus.

Das Medium Fotobuch wird von Fotojournalisten vor allem dann gewählt, wenn es um die Präsentation umfangreicher Projekte geht. Der Vorteil besteht darin, dass anders als in journalistischen Medien die Kontrolle über das Produkt vollständig beim
Fotojournalisten liegt. Im vergangen Jahr sorgte das Buch „War Porn“ des deutschen
Fotojournalisten Cristoph Bangert für Aufruhr. Er publizierte darin Kriegsbilder, die von den Redaktionen abgelehnt worden waren. Der Schweizer Fotograf Meinrad Schade hingegen hat sich auf eine Spurensuche am Rande des Krieges in der ehemaligen Sowjetunion begeben, die er unter dem Titel „Krieg ohne Krieg“ publiziert hat. Während das Schades Arbeit ein Beispiel für eine dokumentarische Arbeit ist, hat Bangerts Arbeit vor allem einen selbstreflexiven, medienkritischen Fokus.

Auch Graphic Novels widmen sich unter Rückgriff auf die gestalterischen Mittel des
Mediums Comic immer häufiger den Themen Krieg und Gewalt. Zugerechnet werden
diese Graphic Novels dem „Comics Journalism“ bzw. „Graphic Reporting“, womit deren Nähe zum klassischen Journalismus angesprochen ist. Denn geht es bei diesen Comics nicht um Superheldengeschichten, sondern um die Recherche und Darstellung „wahrer Begebenheiten“. Besonders bekannt sind die Arbeiten des Comiczeichners Joe Sacco, bspw. „Palestine“ (dt.: Palästina), „Safe Area Gorazde“ (dt.: Bosnien) oder „Footnotes in Gaza“ (dt. Gaza). In allen diesen Bänden bilden Saccos Recherche-Aufenthalte vor Ort das Hauptnarrativ, das jeweils durchflochten wird von Augenzeugenberichten und dokumentierenden Einschüben, mit Hilfe derer zurückliegende Kriegsereignissen und Krisensituationen nachgezeichnet werden.

In einem dialogischen Gespräch in Form einer Fishbowl werden Felix Koltermann und Michaela Zöhrer verschiedene Comics und Fotobücher vorstellen. Ziel ist es, das Potential dieser Darstellungsformen zu eruieren, Krieg und Gewalt abseits tagesaktueller und ereigniszentrierter Berichterstattung sichtbar zu machen. Felix Koltermann wird Michaela Zöhrer über ihre Auswahl von Graphic Novels befragen, und umgekehrt Michaela Zöhrer Felix Koltermann zu den Fotobüchern. Ein weiterer Platz in der Mitte der Fishbowl ist für Gäste reserviert, die zu jedem Zeitpunkt in das Gespräch einsteigen können. Ergänzt wird die Diskussion durch einen umfangreichen Büchertisch, an dem weitere Beispiele ausliegen und eine Anregung zur vertieften Beschäftigung mit dem jeweiligen Medium bieten sollen.

Der Workshop ist Teil der Konferenz „Making the invisible visible“ des Arbeitskreises junger Wissenschaftler_innen der Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung e.V. (AFK) die am 2. und 3. März 2016 am Gustav-Stresemann-Institut in Bonn stattfindet. Bei Interesse kann das Format abgewandelt auch als Abendveranstaltung angeboten werden.

Donnerstag, 25. Juni 2015

Rezensionen zu „Fire and Forget: On Violence“


Seit Mitte Juni 2015 ist in den Berliner Kunst-Werken in Mitte die Ausstellung „Fire and Forget: On Violence“ zu sehen. Die Ausstellung möchte eine Auseinandersetzung über die geläufigen Vorstellungen von Krieg und Gewalt in der zeitgenössischen Kunst führen. Hier eine Auswahl von Rezensionen verschiedener Medien zur Ausstellung.


„Selbstkritisch stellt die Ausstellung auch die Frage, ob die Galerie, das Museum überhaupt der rechte Ort sein kann, Gewalt zu hinterfragen, denn hier ist die Ästhetisierung Programm. Eine Antwort gibt es nicht. Die Ratlosigkeit einzugestehen, könnte ein Anfang sein“.



„Es geht den Kuratoren nicht darum, das Thema analytisch durchzudeklinieren. Immer schwingt auch die Frage mit, welche Verantwortung die Darstellung von Gewalt auf sich lädt, welchen Beitrag Bildnisse und Kunstwerke zwischen Verurteilung und Faszination leisten, und wo sie an ihre Grenzen stoßen“.



„Im Unterschied zu den ausweglosen Laienbildern eröffnet die Kunst dem Publikum einen Handlungsspielraum ohne zu belehren. Sie hebt den Impuls zur Gewalt auf die Bewusstseinsebene. Im Licht der Vernunft wird klar – Fire and forget ist die kümmerlichste Option“.



Wer lieber Audiobeiträge anhört, der kann sich auch den Radiotext von Katja Weber für das Berliner Radio1 vom RBB anhören.


Die Ausstellung ist noch bis zum 30. August zu sehen. Die Kunst-Werke (Auguststrasse 69) sind Mittwoch bis Montag von 12 bis 19 Uhr geöffnet. Es gibt ein Begleitprogramm zur Ausstellung mit Vorträgen. Im Verlag  Mattes&Seitz ist parallel ein Buch mit einer literarischen Bearbeitung des Themas von deutschen und internationalen Autoren erschienen.





Montag, 17. November 2014

Trainieren für den Krieg

Digitale Videospielbilder von Militärjeeps, die dem Sonnenuntergang entgegenfahren, von explodierenden Sprengfallen am Straßenrand und verletzten Zivilisten sind in der Ausstellung „Ernste Spiele“ von Harun Farocki im „Hamburger Bahnhof“ in Berlin zu sehen. Fiktionale Beschreibungen von Kriegsereignissen, die den realen militärischen Alltag bestimmen. Neben dem gleichnamigen Video-Zyklus aus den Jahren 2009/10, der Computersimulationen der US-Armee zum Training von Soldaten thematisiert, sind im Ostflügel des Bahnhofs auch zwei ältere Arbeiten Farockis zu sehen: das Video „Nicht löschbares Feuer“ (1969) über den Napalm-Einsatz in Vietnam sowie die Zweikanal-Installation „Schnittstelle“ (1995), in der Farocki seine eigene Arbeit mit vorhandenem Bildmaterial reflektiert. Der Titel der Ausstellung „Ernste Spiele“ hat dabei eine zweifache Bedeutung: Zum einen könnten die Inhalte der Filme kaum treffender beschrieben werden, zum anderen ist es jedoch auch ein Fachterminus, der Simulationen beschreibt, die nicht Unterhaltungszwecken dienen.

Die wichtigste und titelgebende Arbeit der Ausstellung besteht aus vier Teilen, die unterschiedliche Aspekte des militärischen Trainings der US-Armee mit Hilfe von Videospiel-Simulationen zeigen. „Ernste Spiele I: Watson ist tot“ zeigt Rekruten in einem Seminarraum der US-Armee in Kalifornien, die in einem Übungsspiel mit Militärjeeps durch eine Wüstenlandschaft fahren. Das Video „Ernste Spiele II: Drei tot“ enthält dokumentarische Filmaufnahmen von einem Manöver auf derselben Militärbasis. Junge Rekruten werden dort bei einem simulierten Anti-Terror-Einsatz gegen arabische Statisten gezeigt. In das Video hinein sind wiederum Bilder aus Computersimulationen geschnitten. „Ernste Spiele III: Immersion“ thematisiert den Einsatz einer Video-Simulation bei einer Testperson zur Behandlung von Soldaten mit posttraumatischen Belastungsstörungen. Im letzten Teil des Zyklus „Ernste Spiele IV: Eine Sonne ohne Schatten“ steht die technische Beschaffenheit der Software im Vordergrund, die von den Ausbildern benutzt wird, um die Computersimulationen für die Soldaten so realitätsnah wie möglich zu machen.

Obwohl die Arbeit Farockis nah an einer Videospiel-Ästhetik ist, verfolgt der Zyklus „Ernste Spiele I – IV“ eine klare Botschaft. Zu sehen ist kein naives, spielerisches Trainieren in Simulationen, sondern die Vorbereitung auf den Ernstfall: den Krieg und das Töten im Krieg. Die in den Filmen gezeigten Simulationen haben zum Ziel, die Reaktionsfähigkeit der Soldaten zu verbessern oder deren traumatische Erfahrungen so zu behandeln, daß sie wieder einsatzfähig sind. Das Zyklische und immer Wiederkehrende dieses Prozesses und dieser Kriegspolitik zeigt ein Filmzitat: „Die Bilder zur Nachbereitung gleichen denen zur Vorbereitung des Krieges.“ Worum es eigentlich geht, sind nicht die Bilder, sondern die Perfektionierung militärischen Handelns.

Kontrastiert wird der Zyklus von dem im Vorraum präsentierten Film „Nicht löschbares Feuer“. In einer bitterbösen Satire thematisiert der Film den amerikanischen Napalm-Einsatz im Vietnam-Krieg. Während beide Arbeiten die Thematisierung von „Out of Area“-Einsätzen der USA verbindet, könnten sie sowohl stilistisch wie filmisch nicht gegensätzlicher sein. Der Film „Nicht löschbares Feuer“ ist ein ruckelnder 16-mm-Film in Schwarz-Weiß aus dem Jahr 1969. Duktus und Wortwahl sind geprägt vom damaligen Zeitgeist: Von Betrieben und Arbeitern sowie Herrschenden und Beherrschten ist die Rede, wenn die Verstrickung des amerikanischen Chemieunternehmens Dow Chemical in die Napalm-Produktion beschrieben wird. Wichtige Textstellen werden in fetter Blockschrift eingeblendet. So auch der Satz „Der Schaden der Beherrschten ist der Nutzen der Herrschenden“, der wohl kaum treffender den revolutionären Geist der 70er Jahre und das Dilemma amerikanischer Macht- und Wirtschaftspolitik umschreiben könnte.

Der Grund dafür, Farockis Arbeit „Ernste Spiele“ im Hamburger Bahnhof zu zeigen, ist die Schenkung des Werkes durch den Outset Contemporary Art Fund an das Museum. Schade ist, daß andere Arbeiten aus dem Bestand des Hamburger Bahnhofs, wie die Installation „Auge – Maschine“ (2001–2003), die Fragen der visuellen Kriegsdarstellung anhand des Kuwait-Kriegs nachgeht, nicht dazugenommen wurden. Denn die Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Bildern und Krieg ist ein immer wiederkehrendes Thema im Oeuvre Farockis. Schon seit den späten 1960er Jahren beschäftigt er sich mit Fragen der Virtualität und Realität von Bildern. Farockis filmisches Schaffen changiert dabei zwischen Dokumentarfilm und Inszenierung, immer mit dem Finger auf den Wunden der Zeit.

Die Ausstellung "Ernste Spiele" ist noch bis Anfang 2015 im „Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwartskunst“ (Invalidenstraße 50 – 51, Berlin) zu sehen. Weitere Informationen unter www.smb.museum/hbf. Eine Übersicht über Farockis Arbeiten findet sich auf der Website des Künstlers www.farocki-film.de. In der Ausstellung „Schwindelder Wirklichkeit“ in der Berliner Akademie der Künste am Hanseatenweg sind noch bis 16.12. ebenfalls zwei Arbeiten aus Farockis Werk „Ernste Spiele“ zu sehen.

Der Artikel ist zuerst in der Ausgabe 14/2014 der Berliner Zeitschrift Ossietzky erschienen.

Montag, 22. Oktober 2012

Neue Publikationen zu Fotografie und Krieg

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Wie auch auf diesem Blog thematisiert, gab es in diesem und dem letzten Jahr einige Ausstellungen, die sich im weitesten Sinn mit dem Thema von Fotografie und Konflikt beschäftigten. Im folgenden möchte ich auf einige neue Publikationen zu diesem Themenkomplex hinweisen, darunter zum Teil die Kataloge der erwähnten Ausstellungen, aber auch einige neuere wissenschaftliche Publikationen.

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Hier die Liste der Publikationen mit kurzen Kommentaren:

-       Beil, Ralf und Ehmann, Antje (Hrsg.) (2011): Serious Games: Krieg Medien Kunst

Katalog einer multimedialen Ausstellung auf der Margaretenhöhe in Darmstadt 2011.

-       Dander, Patrizia und Enwezor, Okwui (Hrsg.) (2012): Bild Gegen Bild / Image Counter Image, Verlag der Buchhandlung König

Katalog der gleichnamigen Ausstellung im Münchner Haus der Kunst 2012.

-       Hillgärtner, Jule (2012): Krieg darstellen, Kadmos Verlag

Dissertation der Kunstwissenschaftlerin und Ausstellungsleiterin der RAY 2012.

-       Hoffmann, Felix (2012): Unheimlich vertraut. The Uncanny Familiar, Verlag der Buchhandlung König


Katalog der gleichnamigen Ausstellung bei C/O Berlin im Jahr 2011.

 

-       Petersen, Thomas und Schwender, Clemens (Hrsg.) (2011): Die Entschlüsselung der Bilder. Methoden zur Erforschung visueller Kommunikation, Von Halem

Neues Methodenbuch für die empirische Kommunikationsforschung bezogen auf das Medium Bild.

-       RAY Fotografieprojekte (2012): MAKING HISTORY - RAY 2012 Fotografieprojekte Frankfurt/RheinMain, Hatje Cantz Verlag

Katalog der gleichnamigen Ausstellung des Fotografiefestivals in Frankfurt.

-       Runge, Evelyn (2011): Glamour des Elends, Böhlau Köln

Dissertation über sozialkritische Fotografie am Beispiel von Sebastia Salgado und Jeff Wall.

-       Verschueren, Ralf (2012): Picturing Afghanistan: The Photography of Foreign Conflict , Hampton Press

Interessante Untersuchung über die pressefotografische Darstellung des Afghanistankrieges.

Dienstag, 2. Oktober 2012

Wie die PR-Logik die Diskussion über Bilder von Kriegen und Konflikten überlagert


Gedanken zu einem zentralen Feld der Diskussion um Kriege und Konflikte, ihre visuelle Darstellung und das vermeintliche Aufkommen von Bilder-Kriegen im 20. Jahrhundert.

Im Grunde ist es doch eine simple Gleichung: Wenn ich moralisch einwandfrei und integer handele, dann muss ich Bilder, welche die Konsequenzen dieses Handelns zeigen nicht fürchten. Oder? Soweit so gut. Warum ist dann in der Diskussion über Bilder von Kriegen und Konflikten immer wieder die Rede davon, dass Bilder Waffen in den Händen des Gegners sein können, dass der Zugang zu den militärischen Auseinandersetzungen beschränkt werden muss? Lassen wir mal die Bilder, welche von terroristischen Gruppierungen inszeniert werden weg, und widmen uns den Kriegen der westlichen Mächte im letzten Jahrzehnt, dem Irak-Krieg, dem Afghanistan-Krieg oder dem Gaza-Krieg. Was haben die US-Army, die israelische Armee, oder die NATO-Verbündeten zu fürchten, wenn Bilder von Opfern ihrer Kriege gezeigt werden? Wenn der Einsatz gerechtfertigt ist, wenn den beteiligten Nationen und den Familien der Angehörigen die Risiken und Gefahren bewusst sind, werden sie doch auch sicher mit den Opfern von Kriegen umgehen können. Oder? Und falls nicht, werden sie vielleicht den Krieg in Frage stellen, seine Logik und seine (menschlichen) Kosten und Alternativen fordern. Aber wäre das so schlimm? Genau das ist es, was die Militärs fürchten. Deshalb, deklarieren sie Bilder zu Waffen, da es ihre Logik der militärischen Konfliktlösung in Gefahr bringen könnte. Und aus der Perspektive einer Public-Relation Kampagne, die heute immer Teil moderner Feldzüge ist, erscheint es natürlich ebenfalls verheerend, wenn Bilder die negativen Folgen des Handelns eines Akteurs zeigt, von dem eigentlich ein moralisch-integres Image kreiert werden soll. Aber sind (Foto-) Journalisten, die dieses Image in Frage ziehen, die durch ihre Bilder und Berichterstattung ein anderes Bild zeichnen, gleich Feinde? Muss ich sie von Schlachtfeld verbannen? In keinem Fall. Sie decken auf, was Alltag des Krieges und seine Konsequenzen sind. Nicht die Bilder töten, sondern die Waffen und der Alltag des Krieges. Die Informationen  der Journalisten sind wichtig, damit sich die Menschen ein Bild machen und eine Meinung bilden können. Bilder als Waffen zu bezeichnen, dient ausschließlich den Interessen der militärischen und den sie mandatierenden Akteure und sollte weder in den journalistischen noch in den alltäglichen Sprachgebrauch übergehen.

Donnerstag, 20. September 2012

Fotografie und Konflikt im Museum


Nach den Bilderschauen in deutschen Fotografie- und Kunstinstitutionen zum Thema Bilderkriege und Nine Eleven im Jahr 2011, wie z.B. bei C/O Berlin oder den Kunst-Werken, ist das Thema Fotografie und Konflikt auch in diesem Jahr wieder präsent. Im Frühsommer fand in Frankfurt die große Foto- und Videoschau „Making History“ statt, die sich unter anderem in den Räumen des MMK der Frage nach der Macht der Bilder in der Auseinandersetzung mit Geschichte widmete. Im Haus der Kunst in München ging Mitte September die Ausstellung Bild-Gegen-Bild zu Ende, die sich mit der Darstellung gewalttätiger Konflikte in den Medien befasste. Ein Blick über den Ozean zeigt, dass das Thema auch in den USA von großem Interesse ist. Im Museum of Fine Arts in Houston wird im November die Ausstellung „WAR/PHOTOGRAPHY: Images of Armed Conflict and Its Aftermath“ eröffnet. Zu allen Ausstellungen sind umfangreiche Kataloge erschienen, die eine Auseinandersetzung mit dem Thema auch über die Ausstellungen hinaus ermöglichen. Zu inhaltlichen Fragen bezüglich des Themas Fotografie und Konflikt sei an dieser Stelle auf andere Beiträge in diesem Blog verwiesen.

Hier die Links zu den Ausstellungen:



Montag, 30. Januar 2012

Gedanken über eine konfliktsensitive Fotografie

Meiner Ansicht nach ist es sinnvoll, in Abgrenzung von der Konflikt- und Kriegsfotografie die Theorie – und damit auch eine Anleitung für die Praxis – einer Friedensfotografie bzw. einer konfliktsensitiven Fotografie zu entwickeln. Der Grund ist, dass Bildern in ihrer Funktion als Vermittler eine zentrale Rolle in der massenmedialen Berichterstattung zukommt, insbesondere wenn es um die Darstellung von Konflikten geht. Von daher müssen ihre Auswahl und ihre Produktionskriterien ob ihres Zweckes hinterfragt und Alternativen entwickelt werden. Vor allem, da konfliktive und gewalthaltige Situationen den strukturellen Vorteil sehr bildgewaltiger und visuell beeindruckender Ereignisse haben und somit geeigneter erscheinen, mediale Aufmerksamkeit zu bekommen.

Zentral ist es mit ähnlichen Kriterien ans Werk zu gehen wie Wort-Journalisten die im Bereich des konfliktsensitiven Journalismus arbeiten. Die Konfliktsensitivität ist sicherlich der zentrale Begriff, der auch für Fotografen und Bildproduzenten Gültigkeit besitzt. Das heißt primär, mit Empathie und einer Fokussierung auf den Menschen an die Arbeit zu gehen, dass man ausgehend von einer umfangreichen Konfliktanalyse arbeitet, die Methoden der Friedens- und Konfliktforschung anwendet und die Perspektive der Bilder und Geschichten lösungsorientiert ist. Fotojournalistische Arbeit in diesem Sinn lässt sich ohne umfangreiche Recherchen im vorhinein nicht machen. Auch ein fundiertes konflikttheoretisches Wissen gehört dazu. Es reicht des Weiteren nicht aus, zu wissen wie man sich in Kriegs- und Krisengebieten bewegt und das eigene Leben schützt, auch das Wissen um die eigene Rolle und die Implikationen der eigenen Anwesenheit für den Konflikt sind zentral.

Über Bord geworfen werden muss meiner Ansicht nach das Konzept des Kriegsfotografen als dem neutralen Dokumentator oder Beobachter. Die Ausübung einer neutralen Funktion bei der Anwesenheit in Kriegen und Konflikten ist so gut wie unmöglich. Vom Moment unseres Auftauchens in der Region an hat die Anwesenheit des Fotografen positive oder negative Implikationen. Das Sinnvollste, was sich daraus ableiten lässt, ist eine Forderung nach Allparteilichkeit, die jedoch in der Praxis schwer umzusetzen ist. So ist es nicht unbedingt notwendig, mit jeder Partei zu reden und sie zu bebildern, aber es muss versucht werden mit gleicher Intensität auf beiden oder allen im Konflikt involvierten Seiten präsent zu sein.

Ein großes Problem stellt auch die Bildsprache dar, die vor allem in den Massenmedien von einer Faszination für dramatische und epische Untergangsszenarien geprägt ist. Ruinen, Opfer von Gewalt, die letzten Überlebenden, all dies sind „sexy“ Bilder die sich gut verkaufen lassen und die kurzfristig die Aufmerksamkeit des Medienrezipienten binden. Dies heißt keinesfalls, dass nicht Bilder vom Konflikt gemacht werden können, die eine ähnliche Faszination und Aussagekraft haben, ohne dass aber Gewalt und Leid im Mittelpunkt stehen.

Von zentraler Bedeutung ist auch den weiteren Weg nicht aus den Augen zu verlieren, den ein Bild ab dem Zeitpunkt der Aufnahme bis hin zum Abdruck in einem Medium nimmt. Auch hier könnten konfliktsensitive Standards implementiert werden. Mehr Bedeutung müsste den Angaben des Bildes gegeben werden, die vom Fotografen erstellt werden und die den Kontext der Aufnahmen erklären: Datum, Uhrzeit, Ort, Umstände, Bildunterschrift, Akteure und Namen der Abgebildeten. Diese Angaben müssen so ausführlich wie möglich dann auch im entsprechenden Medium abgebildet werden, um dem kritischen Rezipienten die Möglichkeit zu geben das Bild einzuordnen. Des Weiteren müsste von den Fotografen die Forderung an die Redaktionen getragen werden, sich so weit wie möglich von der Ein-Bild-Darstellung wie sie vor allem in den Tageszeitungen vorherrscht, zu verabschieden. Bildpaare, die zwei kleine Fenster auf das behandelte Thema öffnen, sollten dies ersetzen.

Diese Gedanken sollen eine Anregung zur Diskussion darstellen. Kommentare sind herzlich willkommen.

Montag, 9. Mai 2011

Wissen Teilen: Fotografie, Konflikt und Social Bookmarking


Neben diesem Blog entsteht im Rahmen meiner Recherchen eine umfangreiche Linksammlung bei Mister-Wong. Ziel ist es, die Ergebnisse im Form des Social Bookmarking öffentlich zugänglich zu machen und interessante Links zum Thema Fotografie und Konflikt auszutauschen.

Im Moment bekommt man alle Informationen nur wenn man sich selbst ein Konto bei Mister Wong anlegt und einloggt. Ich arbeite daran die Informationen allen zugänglich zu machen.