Mittwoch, 6. Juni 2018

Krieg und Gewalt als Zirkelschluss


Unter dem Titel "Zirkelschluss" zeigt das Kasseler Museum für Sepulkralkultur drei fotografische Arbeiten, die sich mit dem Themenkomplex Fotografie und Krieg beschäftigen. Unter "Zirkelschluss" verstehen die Macher der Ausstellung den Teufelskreis, der aus der Logik von Gewalt entsteht: "Mein Feind ist böse, und weil er böse ist, ist er der Feind". Die Ausstellung präsentiert künstlerische Auseinandersetzungen "mit den Folgen eines Denkens in diesen Kategorien". Zu sehen ist die Arbeit "Targets" von Herlinde Koelbl, mit der sie dokumentiert, worauf Soldaten schießen, die Serie "The Afghans" von Jens Umbach mit großformatigen Porträts von Menschen, die in der Nähe von Bundeswehrcamps in Afghanistan leben und die Projekte "#Strike" und "#Surveillance" von Dieter Huber.



Zu sehen sind die Arbeiten in den temporären Ausstellungsräumen des Museums, die eine tolle Atmosphäre haben und grandiose Ausblicke auf das Fuldatal ermöglichen. Alle drei Arbeiten stellen für sich genommen spannende künstlerisch-fotografische Positionen auf den Gegenstand Konflikt und Gewalt dar. Wobei hervorzuheben ist, dass die Arbeit von Koelbl in Kassel als Videoinstallation präsentiert wird. Koelbl's Arbeit arbeitet gut die Routinen des militärischen Trainings auf Schießständen heraus und zeigt, welch unterschiedliche Gegenstände als Zielscheiben genommen werden, was zum Teil absurd anmutet. Umbach setzt afghanische Zivilisten in tollen Schwarz-Weiß-Aufnahmen vor einem weißen Hintergrund in Szene und ermöglicht es dem Betrachter, sich den Menschen unvoreingenommen zu nähern. Und Dieter Huber zeigt mit #Strike wie Einschusslöcher zu ästhetischen Artefakten werden können.

Gleichwohl zeigt die Ausstellung jedoch, wie Schwierigkeit der kuratorische Umgang mit dem Thema ist. So wirft der kuratorische Text einige spannende Fragen auf: "Wie kann ich mich schützen? Was darf ich präventiv tun, um mich zu verteidigen? Wie verhindere ich, dass mein Schutzbedürfnis andere bedroht und sie zur Aufrüstung drängt?" Gleichzeitig thematisieren die gezeigten Positionen diese Fragen, wenn überhaupt, nur am Rande. Des weiteren verlieren die Arbeiten extrem an Kraft, da sie ohne jegliche textliche Kontextualisierung präsentiert werden. Nur im Ausstellungsflyer finden sich zu jeder Arbeit zwei kurze Sätze was zu wenig ist, um die Arbeiten zu verstehen. So werden vor allem die Arbeiten von Umbach und Huber ausschließlich auf ihre – zugegebenermaßen sehr ästhetische – äußere Form reduziert. Insofern ist die Ausstellung selbst im Zirkelschluss gefangen, dass die Präsentation von fotografischen Positionen im White Cube eines Galerieraumes ausreicht, um Bedeutung zu produzieren.

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