Donnerstag, 19. Mai 2011

Miki Kratsman: All about us


Vom 6. März bis zum 17. April 2011 war in den Räumen der Ursula-Blickle-Stiftung in Kraichstal-Wörrisheim bei Karlsruhe die Ausstellung „All about us“ des israelischen Fotografen Miki Kratsman zu sehen. Die Ausstellung war kuratiert von Nicolaus Schaffhausen vom Witte de With Center for Contemporary Art in Den Haag und war die erste Einzelausstellung von Miki Kratsman in Deutschland. Bisher waren seine Arbeiten in verschiedenen Ausstellungen zum Thema Israel und Nahostkonflikt zu sehen, so unter anderem bei „Dateline:Israel“ im Jüdischen Museum in Berlin.


„All about us“ ist das aktuellste Foto-Projekt von Miki Kratsman und setzt sich mit den Beduinen in den sogenannten „Unrecognized Villages“ in der israelischen Negev-Wüste auseinander. Für einen Monat verlegte Kratsman seinen Lebensmittelpunkt in die Region. Herausgekommen sind Portraits der Bewohner des Dorfes Al-Araqib sowie Aufnahmen der dortigen urbanen Räume.

Die Ausstellungspräsentation in der Ursula-Blickle-Stiftung zeigte ein sparsame Hängung, in der die Portraits und Landschaftsaufnahmen in großformatigen Drucken mit weißem Rand rahmenlos präsentiert wurden. Damit konnte ihnen eine direkte und ungeteilte Aufmerksamkeit zu Teil werden. Jedoch war die Präsentation etwas zu „arty“ um es neudeutsch auszudrücken. Ausser einem kurzen Text am Eingang gab es keinerlei Informationen zu den Bildern. Damit wurden sie aus ihrem Entstehungskontext gerissen und waren für den Betrachter nicht zuordbar. Es hätte zumindest bei den Portraits der Angabe des Alters, des Namens und des Aufnahmeortes bedurft um die Personen einordnen zu können, wie es auch im Katalog geschehen ist. In der Ausstellung werden die Portraits so ihres dokumentarischen Charakters beraubt und haben als künstlerische Werke nur noch sich selbst als Referenzpunkt.

Eine weitere Frage, die sich stellt, ist ob trotz der gesellschaftskritischen Herangehensweise Kratsmans sich hinter den Bilder nicht ein klassischer orientalistischer Blick verbirgt. Natürlich ist es ihm zu verdanken, dieses wichtige Thema fotografisch-künstlerisch zu bearbeiten. Durch die Wahl der Mittel wie des Schwarz/Weiß als Medium nimmt er den Fotografierten jedoch jede Individualität und Identität. Sie werden zwar als würdevolle Einzelpersonen präsentiert, erscheinen jedoch eher in der Opferrolle. Somit zementiert sich hier – wahrscheinlich ungewollt – dass hierarchische Verhältnis zwischen der jüdischen Mehrheits-Bevölkerung in Israel und ihrer arabischen Minderheit. Trotz aller Ästhetik fallen auch die Landschaftsbilder in diese Kategorie, zeigen sie doch fast nur Ruinen.

Dass auch ein anderer Zugang zum Thema möglich ist, zeigt die Arbeit des israelischen Fotografen und Künstlers Tal Adler. In seinem Projekt „Unrecognized“ aus dem Jahr 2006 entwickelte er gemeinsam mit den Dorfbewohnern Bilder, die für einige dieser „Unrecognized Villages“ stehen. Dabei wird eine Vielschichtigkeit und Tiefe deutlich, die sich vor allem in der Vielfalt der Orte, der Porträtierten sowie der Verwendung von Farbbildern zeigt und damit sehr viel stärker einen würdevollen Blick zulässt.

Eine Ausführliche Diskussion des Projektes „All about us“ und des Kataloges ist zur Zeit in Arbeit und wird in Kürze hier zu sehen sein.


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