W.
J. T. Mitchell is an American art historian at the University of
Chicago and one of the most important scholars of visual culture and
iconology. Among his most important books are "Cloning Terror: The War
of Images, 9/11 to the Present" (2011) and "What do Pictures Want? The
Lives and Loves of Images" (2005). For the online magazine Qantara I spoke to him about
the relationship between images and war.
Felix Koltermann: I would like to start by looking at the concept of "image operations". Could you explain what this is?
W. J. T. Mitchell: "Image operations" mainly exist
in the theatre of war and in medical imaging. Usually the purpose of
medical imaging is to heal. The purpose of image operations in the
theatre of war, on the other hand, is to inflict or cause damage and to
use images as instruments of war and propaganda or to reveal crime. So
what is at stake here in a general way is the instrumental use of
images.
Read the whole interview online at Qantara
Donnerstag, 29. Mai 2014
Mittwoch, 21. Mai 2014
Für eine zivile (Wieder-) Aneignung der Fotografie
In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Friedensforum wird ein Text von mir über das Verhältnis von
Fotojournalismus, Krieg und ziviler Konfliktbearbeitung erscheinen. Er ist inspiriert von meiner langjährigen Arbeit an der Schnittstelle von Journalismus und Konfliktbearbeitung. Ziel ist Diskussion darüber anzuregen, inwieweit Fotografie einen zivilen Charakter haben kann oder haben sollte und möglicherweise eine (Wieder-) Aneignung nötig ist. Um das Thema breiter zu streuen wird der Text neben meinem Blog auch im Online-Magazin Rheinraum sowie auf der Webseite des deutschen Zweigs des Peace and Conflict Journalism Networks (PECOJON) veröffentlicht.
Liest man in einschlägigen
medienwissenschaftlichen Publikationen Texte zum Verhältnis Fotografie und
Krieg, so entsteht der Eindruck, als hätten der Kriegsdiskurs und die Logik des
dichotomen Denkens auch das Bildmedium übernommen. So ist immer wieder von
Bilderkriegen, dem War Porn und Bildern als Waffen die Rede. So hat scheinbar
die Logik des Krieges den Fotojournalismus und die Fotografie übernommen.
Notwendig ist eine zivile (Wieder-) Aneignung des Fotojournalismus und der
Fotografie. Und dies nicht nur in der Praxis, sondern auch im Diskurs über
diese Themen. Und hier besteht eine bedeutende Schnittstelle zwischen der
zivilen Konfliktbearbeitung und dem Fotojournalismus. In beiden Feldern ist
eine zunehmende Präsenz des Militärischen zu beobachten, eine
Versicherheitlichung des Diskurses und der Praxis. Was in der zivilen
Konfliktbearbeitung das Damoklesschwert der zivil-militärischen Zusammenarbeit
ist, ist im Fotojournalismus die Praxis des Embeddment.
Gemeinsamkeiten gibt es auch auf
der Ebene des Status der Akteure im Feld. Es reicht nicht aus, Konfliktarbeiter
und Fotojournalisten verstärkt in Sicherheitstrainings zu schicken. Stattdessen
muss ihre Schutzwürdigkeit und die Bedeutung der Aufrechterhaltung derselben
innerhalb des internationalen humanitären Völkerrechts immer wieder
eingefordert werden. Nicht Fotojournalisten und Konfliktarbeiter brechen
humanitäres Völkerrecht, sondern die militärischen Konflikt-Akteure, in dem sie
die beiden Gruppen zu legitimen militärischen Zielen machen. Nichts anderes
bezweckt der Diskurs von Bilderkriegen. Wenn Bilder Waffen sind, dann werden Fotojournalisten
automatisch zu legitimen Zielen des Krieges. Diese Logik gilt es zu
durchbrechen. Nicht die Bilder an sich sind Waffen, sondern wenn überhaupt der
missbräuchliche Gebrauch von Bildern. Dies kann in der extremsten Art die Form
von Propaganda annehmen. Dabei handelt es sich jedoch meist um klassische
Public Relation.
Für die zivile
Konfliktbearbeitung können Fotojournalisten auch von daher Verbündete, als dass
sie Bilder produzieren, an die die zivile Konfliktbearbeitung anknüpfen kann.
Kriege und Konflikt sind für Fotojournalisten eine der wichtigsten
Berichterstattungsgegenstände. Dabei ist ihre Arbeit natürlich von den
standardisierten Nachrichtenwerten sowie Erwartungen ihrer Auftraggeber
beeinflusst. Im Idealfall legen sie Menschenrechtsverletzungen offen und
zeigen, wo Menschen Alternativen zur Gewalt anwenden. Darüber hinaus können
Fotojournalisten auch die Aktivitäten bei Prozessen der Konflikttransformation
beobachten und einem breiteren Publikum zugänglich machen[1].
An dies kann in der politischen Arbeit der zivilen Konfliktbearbeitung
angeknüpft werden. Fotojournalisten können Partner sein, von denen eingefordert
werden kann und muss, auch stärker Alternativen zu Gewalt in den Blick zu
nehmen. Aus diesem Anspruch heraus und der Infragestellung klassischer
Nachrichtenwerte sind Konzepte wie das der konfliktsensitiven
Berichterstattung, welches auch unter dem Begriff Friedensjournalismus[2]
fungiert, entstanden.
Dabei ist es jedoch wichtig, dass
Fotojournalisten, wenn sie als Journalisten auftreten um Projekte zu
dokumentieren, nicht in diese eingebunden und ausschließlich als Public
Relation Werkzeug betrachtet werden. Denn die Unabhängigkeit der
Fotojournalisten ist wichtig, um zu einer positiven und durchaus notwendig
kritischen Begleitung der Projekte beitragen zu können. Wenn Fotojournalisten
jedoch in Projekte eingebunden werden, verlieren sie ihren Status als
Journalist und werden zu PR-Tools oder zu Konfliktarbeitern mit der Kamera.
Auch wenn dies in keinster Weise verwerflich, muss hinsichtlich ihrer Rolle
jedoch eine Unterscheidung gezogen werden. Abgrenzung und Klarheit hilft hier
sowohl dem Fotojournalismus als auch der zivile Konfliktbearbeitung.
In dieser Hinsicht ist auch das
neue Feld, das oft unter dem überaus schwammigen Begriff „Friedensjournalismus“
daherkommt und das ich hier als „Media and Peacebuilding“ betiteln möchte,
kritisch zu betrachten. Kaum ein Projekt in einer Konfliktregion, kaum eine
externe Intervention kommt heute noch ohne Medien-Anteil aus. Das Schlimme ist,
dass hier die Grenzen zwischen Journalismus, Public-Relation und Konfliktarbeit
mit Medien immer stärker verschwimmen. Auch hier sind Ehrlichkeit und
konzeptionelle Klarheit von zentraler Bedeutung. ISAF Media Programme in
Afghanistan sind eben nicht primäre journalistische Projekte, sondern
integraler Bestandteil einer zivil-militärischen Strategie. Aus dieser gilt es
wiederum, den Fotojournalismus wie die zivile Konfliktbearbeitung
herauszulösen, um als Alternative zu Gewalt und militärischem Handeln bestehen
zu können.
Was bedeutet nun die zivile
Aneignung von Bildern? An erster Stelle steht eine Dekonstruktion des
Bildmediums. Bilder zeigen immer nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit. Aber
Bilder zeigen eben auch etwas von Wirklichkeit und haben einen
Authentizitätscharakter. Bilder sind als solches erst ein Mal Dokumente
vergangener sozialer Situationen und als solche sind sie zu lesen. Angefertigt
werden diese Dokumente von professionellen Fotojournalisten. Die Akteure der
dokumentierten Situationen sind Zivilisten. Diejenigen, die gewalthaltige
Konflikthandlungen ausführen, sind die militärischen Akteure. An dieser Stelle
werden die Puristen unter den Lesern sicherlich aufschreien, Beispiele von
voyeuristischen Fotojournalisten aufzählen, von Vietnam bis zum Irak, deren
Anwesenheit in der Situation erst ein Ereignis schuf. Das mag an einigen
Stellen auch richtig sein. Aber der Abzug an der Waffe wird nicht von den
Fotojournalisten gedrückt, Krieg wird nicht in ihrem Namen geführt. Diese
Verantwortung sollte ihnen nicht auferlegt werden.
Natürlich ist nicht
wegzuargumentieren, dass mit dem fotografischen Akt auch durchaus eine
gewalthaltige Form der Aneignung verbunden sein kann. Schon der Ausdruck des
„Bilder schießens“ spricht diesbezüglich Bände. Und je nachdem wie sich ein
Fotojournalist in eine soziale Situation begibt, kann dies natürlich ebenfalls
Formen eines gewalthaltigen Auftretens mit einschließen. Beispielsweise dann,
wenn ein Fotojournalist eingebettet in die Einheiten westlicher Truppen am
Hindukusch an Hausdurchsuchungen beteiligt ist und als Teil der Truppe
ungefragt Bilder der Menschen macht. Aber genau um dieses zu verhindern oder
dem etwas entgegenzusetzen, gibt es fotografische Kodizes. Darüber hinaus
spielt die Haltung des Fotojournalisten bezüglich seiner Arbeit eine zentrale
Rolle[3].
Der fotografische Akt kann ein gewalthaltiger Akt sein, muss es aber nicht.
Auch wenn sich soziale Gegensätze und Macht-Asymmetrien, vor allem zwischen
Fotojournalisten aus dem globalen Norden und Menschen aus dem globalen Süden
nicht völlig ausräumen lassen, so sind diese jedoch dekonstruierbar und können
in eine soziale Situationen münden, in denen beide etwas mitnehmen und keine
einseitige Form der Aneignung des Bildes des anderen stattfindet.
Aber zurück zum Dokumentcharakter
eines Bildes. Ein Bild als Dokument zu lesen bedeutet auch, es nicht für
Propaganda-Zwecke zu missbrauchen. Im Sinne von „Seht mal wie grausam die
anderen sind“. Das sagt nicht ein Bild, das machen ein Kontext, eine Bildverwendung
und die Form der Rezeption aus einem Bild. Die zivile Aneignung von Bildern
bedeutet also vor allem auch einen konfliktsensitiven Gebrauch, ähnlich einer
gewaltfreien, lösungsorientierten Kommunikation. Bilder können – und sollen
auch – Emotionen auslösen. Aber wenn Bilder emotionalisierte Handlungen
auslösen, wird es gefährlich. Deswegen ist Bildkompetenz - ebenso wie
Konfliktkompetenz - auf Seiten der Bildnutzer mindestens ebenso gefragt wie
eine klare Haltung bei den Produzenten. Somit zeigt sich hier eine weitere
Schnittstelle zwischen dem Fotojournalismus und der zivilen
Konfliktbearbeitung: beide brauchen spezifische Kompetenzen bei den Menschen.
Und Bildkompetenz wie Konfliktkompetenz befruchten sich gegenseitig.
Die Aufdeckung gemeinsamer Interessen
zwischen der zivilen
Konfliktbearbeitung und dem Fotojournalismus bedeutet jedoch nicht, dass sich
das eine Feld mit dem anderen gemein machen sollte. Kritische Distanz und
Begleitung sind auch hier von zentraler Bedeutung. Aber die hier dargestellten
Fragestellungen sollten hinsichtlich des Auffindens von Synergien und
gemeinsamer Interessenfelder vertieft werden. So ist die gegenseitige
Affirmation beider Gruppen ihres Status als ziviler Akteure im Konflikt von
zentraler Bedeutung und kann der Stimme beider Gruppen mehr Gewicht geben. Auch
bei der notwendigen Abgrenzung des eigenen zivilen Handelns von militärischer
Logik gibt es meiner Ansicht nach weitgehend Übereinstimmung. Inwieweit dies
auch die Übernahme von Prinzipien gewaltfreien Handelns und eine pazifistische
Grundhaltung für beide Akteure bedingt, ist hingegen noch zu diskutieren. Eine
poetische und in die Zukunft weisende Klammer verbindet jedoch beide Felder:
die Kreativität. Weder die zivile Konfliktbearbeitung auf der Suche nach alternativen
Formen der Konflikttransformation und –lösung noch der Fotojournalismus beim
Versuch, den Konfliktalltag visuell darzustellen, kommen ohne diese aus.
Diskutieren sie weiter zum Thema auf diesem Blog, auf Facebook oder auf Twitter.
Wo sehen sie Schnittstellen zwischen dem Fotojournalismus und der zivilen
Konfliktbearbeitung? Was kann ihrer Meinung nach das eine vom anderen Feld
lernen? Welche positiven wie negativen Erfahrungen haben sie gemacht?
[1] Ein gutes Beispiel ist das
von Petra Gerster herausgegebene Buch „Die Friedensmacher“, das im Rahmen des
Projekts „Peace Counts“ entstanden ist.
[2] Weitere Informationen zu
diesem Thema gibt es bei der Autorin Nadine Bilke unter www.friedensjournalismus.de und
beim Peace and Conflict Journalism Network www.pecojon.de.
Montag, 12. Mai 2014
Das Buch zum Blog
Es ist soweit! Nach vielen Monaten der Textauswahl, des Redigierens und der Verfeinerung des Layouts ist das erste Buch zum Blog erschienen unter dem Titel "Fotografie und Konflikt - Texte und Essays".
Mit der fotografischen Dokumentation von Kriegen und
Konflikten ist eine Vielzahl von Fragestellungen verbunden. Diese reichen von
Fragen der Ethik, dem Verhalten in Krisenregionen, dem Umgang mit anderen
Konfliktakteuren bis hin zu Problemen bei der Distribution und Publikation. Einige
dieser Themenfelder zwischen Fotojournalismus, Dokumentarfotografie sowie
Konflikt- und Kriegsfotografie
werden im Buch angesprochen.
Die im Buch versammelten Texte und Essays sind im
Rahmen der Recherchen für meine Promotion zwischen den Jahren 2011 und 2014
entstanden. Einige davon sind unveröffentlicht, andere wurden bereits hier auf dem Blog veröffentlicht. Überarbeitet und redigiert erscheinen die Texte zum
ersten Mal in Buchform.
Das Buch hat 76 Seiten im Paperback und kostet 5,90
Euro (ISBN: 978-3-7357-2397-0). Es ist über
den normalen Buchhandel oder direkt über Books On Demand zu beziehen.
Freitag, 9. Mai 2014
Kriegsfotografen und Heldenmythen
Michael
Kamber, US-amerikanischer Fotojournalist und Gewinner des World Press
Photo Awards, hat den Irakkrieg für die New York Times in Bildern
festgehalten. 2013 erschien sein Buch "Photojournalists on war – The
untold stories from Iraq". Mit ihm sprach für Qantara der Friedens- und
Konfliktforscher Felix Koltermann.
Michael Kamber: Zwischen 2003 und 2012 war ich über acht Jahre lang immer wieder im Irak. Als ich dann wieder in die USA zurückkehrte, hatten die Menschen dort im Grunde genommen keine Vorstellung davon, was im Irak eigentlich genau passiert. Wir sind in einen Krieg gezogen, der Hunderttausenden von Menschen das Leben gekostet und ein Land zerstört hat – und niemand schien darüber Bescheid zu wissen. Die Menschen in den USA wussten zwar, dass es irgendwo im Irak wieder mal einen Bombenanschlag gegeben hatte, kannten aber keine Details und hatten auch keine Ahnung, wie eine Autobombe aussieht, weil solche Bilder zensiert wurden.
Hier ist der Link zum kompletten Interview auf Qantara
Michael Kamber: Zwischen 2003 und 2012 war ich über acht Jahre lang immer wieder im Irak. Als ich dann wieder in die USA zurückkehrte, hatten die Menschen dort im Grunde genommen keine Vorstellung davon, was im Irak eigentlich genau passiert. Wir sind in einen Krieg gezogen, der Hunderttausenden von Menschen das Leben gekostet und ein Land zerstört hat – und niemand schien darüber Bescheid zu wissen. Die Menschen in den USA wussten zwar, dass es irgendwo im Irak wieder mal einen Bombenanschlag gegeben hatte, kannten aber keine Details und hatten auch keine Ahnung, wie eine Autobombe aussieht, weil solche Bilder zensiert wurden.
Hier ist der Link zum kompletten Interview auf Qantara
Montag, 28. April 2014
Talking about Afro-American photography
At the beginning of
the year, the American director Thomas Allen Harris presented his first full
length documentary movie "Through a lens darkly: Black Photographers and
the emergence of a people. It is a great insight into the history of Afro-American
photography. I talked with Thomas Allen Harris about his motivation to do this
film.
FK:
What interested you in working on the history of Afro-American photography?
TH: Deborah Willis
approached me and asked me if I would be interested in making a film about her
book „Reflections in Black: A History of
Black Photographers”. This is when the project officially started. But
before I had been making films that deal with photography and Afro-American
image making. This topic has been very important to me because I come from a
family of photographers and I was always involved in that space of
photographers.
FK:
Photography is a static medium and film works with moving images. How do you see
the connection between these two mediums and how was it for you to make a film
about photography?
TH: Well I think it
worked because I am a photographer and because I trusted that I will be taken
in the right direction. As an artist you don’t necessarily know what is on your
canvas when you start, you only have an idea. I knew that the relationship of
the photographer to the object was really important to me. I wanted to talk
about that, because so much is moving to the digital space right now and the
photograph as object is becoming increasingly more rare. So in a way it was a
meditation on photography as object. The only place that you see it in 50 years
is probably in museums. Even the images in archives disappear because collections
and people with money are buying them up and store them without access for the
public. It doesn’t get anymore to the place where people can have access to and
can interact with them. So for me it is not only a film, it is a larger
project. It is something that I have been interested in terms of how we talk
about representation, how we talk about the object, how we talk about this
transitional space that we are in right now. So the
film is also about visual literacy, that a thousand people can see the same
exact image and see a thousand different things in that image. When I was
editing with the images I was very much aware that I wanted to call a certain
attention to certain aspects and to have this dynamic kind of space but that
was not super hooky, that was
really about my eye.
FK: You mentioned the
term visual literacy. What does this term mean for you?
TH: Visual literacy is how
do you read the image, how the image can be text. Traditionally in
documentaries images are usually used almost like a wallpaper to illustrate.
And I didn't want to use it to illustrate. I wanted the image to speak as opposed
to just illustrate. Let's take the example of the lynching. I wanted to talk
about what the event was in that space. Most people just see this black bodies
hanging. I wanted to talk about the inhumanity and what happened to these
people who were part of this spectacle and how they had to deny something in
themselves with the brutality as a person that is victim as well. You know
there are two victims. There is the victim but there are although the victims
who participate, because it kills something in their humanity.
FK: In your film you show
very well how photography can be used for evil purposes on the one side and
social change on the other side. What role do you give in that sense to the
photographic medium? Is the medium itself good or evil?
TH: Any medium can be
used for evil or for good. One person in the film says that photography is not
only seeing from here, it is as well seeing from there. So I think that people
can take photographs and it could be about fear and about trying to objectify
or trying to destroy the humanity of somebody else. Or it could be about
uplifting and affirming the humanity. It is really a humanity issue. This is
the reason why I choose the title "Through
a lens darkly". It refers to a biblical quote from the Corinthians and
it is about the three really important things: love, charity and faith. But the
most important thing is compassion. How can you have compassion for somebody else,
someone who might look or be different or be a different species? Because to a
certain extent the ways in which the white Americans where mistreating the Africans,
the indigenous people or the Chinese in early America even until today is about
saying we are human and they are not human. But what if you have to be
compassion to the mouse? It is like Buddhism. And so it doesn't give you the
excuse to say I can kill this person and I can roast them alive because they
are black or they are rich or there are something else. So it is not unique to America,
it happens all across the world: Our inhumanity and our inability to be
compassion and to see things in this kind of way.
FK: So in this way you
try to convey a political message with your film in order to use photography as
a tool for social change and humanity?
TH: Yes, it is a
political message; it is although an artistic message. It's about how we
construct our world, the importance, the power, a vision. I am not talking
about the vision of the eyes, but a vision of a future. Or how we read the
past. So it has to do with all these different types of intersecting
possibilities.
FK: In the film you show two
different kinds of photography: the amateur photography for the family album
and the professional photography. Do you see a difference in how these two
groups use photography?
TH: I think there is a
lot of overlap. I think all these different kind of photography are important.
I was seeing the connection between these areas, as opposed to seeing it as
vernacular photography as one thing and studio and art photography and documentary
photography as another thing. This film talks about the spaces that intersect
all of this. So in some ways the film has a democratic kind of ethos around
photography.
FK: In the film you talk
as well about the official history of photography in the US. Is it the history
of the white photographer or is there today a place for Afro-American
photography in official visual history?
TH: Me and the people I
work with, like Deborah Willis and other photographers, historians, culture
critics and authors are all still filling in the gaps in the dominant
narrative. My film is not part of the dominant narrative. Some people resist
it, some people have a difficult time with it, because they are so vetted to
that identity. So this narrative, this legacy that we are living, is the
dominant narrative. Even today there are books that don't include Afro-Americans
or other people as diverse voices. Often women photographers are not included
and gay and lesbian photographers are out. It even happens in books that are being
created today. Someone told me that there is a book with Texan Photographers
they didn't include even one single black photographer there. Even though black
people have been in Texas since the beginning and participating as
photographers back since the 1840`s. So I think that's why it is also important
that we created the project digital Diaspora. It has to be a movement for me in
order to be able to make a change.
Samstag, 19. April 2014
Image Operations
Ende vergangener Woche fand in Berlin die internationale
Tagung „Image Operations“ statt. Kuratiert wurde sie von Charlotte Klonk vom
Berliner Exzellenzcluster der HU „Bild – Wissen – Gestaltung“ und Jens Eder von
der Universität Mannheim und fand im privaten Berliner „Institute for Cultural
Inquiry“ auf dem Pfefferberg statt. In einem spannenden Programm wurde eine
Vielzahl von Themenbereichen des zeitgenössischen Bilddiskurses angesprochen.
Nach zwei eher Theorie bezogenen Einleitungen der Bildwissenschaftler Tom
Mitchell und Marie-José Mondzain standen die beiden ersten Tage vor allem im
Kennzeichen einer stark empirisch gestützten Diskussion um das Verhältnis von
Bildern und Krieg.
Der Stockholmer Medienwissenschaftler Christian Christensen
machte das von Wikileaks veröffentliche Video der Ermordung eines
Reuters-Fotografen im Irak durch Soldaten eines amerikanischen
Kampfhubschraubers zum zentralen Punkt seines Vortrags. Das unter dem Namen
„Collateral Murder“ bekannte Video machte exemplarisch deutlich, wie groß die
Gefahr für Bildproduzenten in zeitgenössischen Kriegen ist. Für Christensen
zeigt sich an diesem Video, wie wichtig das Material von Whistleblowern für
Anti-Kriegs-Aktivisten sein kann. Mit der Offenlegung eines Mords übernahm das
Video, eigentlich vom Militär zur Dokumentation angefertigt, eine Funktion die normalerweise
dem Journalismus obliegt. Aber gerade im Irak-Krieg zeigte sich der
us-amerikanische Journalismus zu weiten Teilen als Komplize us-amerikanischer
Geopolitik.
Im Anschluss referierte der deutsche Medienwissenschaftler
Tom Holert über die Bedeutung von Bildern im Drohnenkrieg. In einem
hochinformativen Vortrag zeichnete er nach, wie die Bilder von Drohnen
exemplarisch die asymmetrische Machtausübung im zeitgenössischen Krieg deutlich
machen. Dabei ist der zunehmende Einsatz von Drohnen nicht nur ein Erfolg der
„revolution in military affairs“ sondern auch Teil eines neoliberalen
outsourcens und kostenreduzierens über das Einsparen von Personal. Bilder sind
für Drohnen insofern von Bedeutung, als dass deren Steuerung nur mit Hilfe von
Kameras möglich ist.
Den Abschluss des ersten Tages bildete eine aufschlussreiche
Diskussion des amerikanischen Künstlers Trevor Paglen mit der Frankfurter
Kunsthistorikerin Isabelle Graw. Paglen fungiert als Wissenschaftler mit
umfangreichen Forschungs- und Recherchevorhaben der seine Ergebnisse entweder
in Form von Texten oder künstlerischen Arbeiten präsentiert. Bekannt geworden
ist er durch seine fotografische Dokumentation von Spuren des Nicht-Sichtbaren
in der Politik. So fotografierte er geheime amerikanische Militärstützpunkte in
der Wüste ebenso wie den Weg militärischer Satelliten am Himmel. Dabei greift
er interessanterweise für viele seiner Projekte auf den Begriff der Landschaft
zurück. Seine fotografische Umsetzung, meist in großformatigen Arbeiten, hat
dabei tatsächlich Anleihen an klassische Landschaftsmalerei.
Am Freitagmorgen hielt die Berliner Kunsthistorikerin Verena
Straub einen interessanten Vortrag über das Bild weiblicher
Selbstmordattentäterinnen in Märtyrer Videos. Sie zeichnete die Geschichte des
Selbstmordattentats als Mittel des politischen Kampfs mit Hilfe von Videostills
seit den 80er Jahren nach. Dabei legte sie den Schwerpunkt auf die visuelle
Darstellung weiblicher Selbstmordattentäterinnen in der 2. Intifada. Sie wies
nach, wie in den Videos auch eine Kritik an dominanten Geschlechterrollen zu
finden ist.
Unglaublich reichhaltig war auch die Präsentation der
amerikanischen Anthropologin Zeynep Gürsel. Sie hat in den letzten Jahren die
Nachrichtenfotografie ausgehend von zentralen Institutionen wie der
Nachrichtenagentur AFP, dem World Press Photo Award oder dem Festival Visa Pour
L’Image untersucht. Als teilnehmende Beobachterin nahm sie an unzähligen
Auswahlprozessen und Workshops teil. Dabei konnte sie aufzeigen, wie sehr der
Fotojournalismus auf binäre Kodierungen angewiesen ist um seine Botschaften
rüberzubringen und als ein politisches Projekt gelesen werden muss. Ihre
Beobachtungen eines Workshops mit jungen türkischen Fotografen mit ihren
amerikanischen Mentoren machten deutlich, wie sehr die Suche nach Themen und
Bildern von westlichen Stereotypen und Exotismus geprägt sind.
Aufschlussreich war, wie sehr die Vorträge von einer
unkritischen Übernahme der Bilderkriegthese geprägt waren. Mehrere Vortragende
rekurierten darauf in ihren Einleitungen als so etwas wie das Bonmot. Dass ist
schade, bringt der Begriff doch eine ganze Reihe von problematischen
Entwicklungen mit sich. Diese zu aufzuschlüsseln und zu diskutieren wäre das
Thema einer eigenen Tagung.
Interessante Links:
Montag, 14. April 2014
Through a lens darkly - Filmreview
„We live in a world of images. If
we lived in a world of words, then words would speak to us more clearly. But
surrounded as we are by images, we look literally to images to make meaning“
(Filmausschnitt).
Im Februar hatte auf der Berlinale in Berlin der Dokumentarfilm
„Through a lens darkly: Black
Photographers and the Emergence of a People“ seine Europapremiere. Es ist der
erste abendfüllende Dokumentarfilm des amerikanischen Fotografen und Aktivisten
Thomas Allen Harris. Der Film erzählt die Geschichte der Fotografie aus der
Perspektive der afroamerikanischen Community.
Fotografie ist ein kulturelles
Produkt und eine soziale Gebrauchsweise. Fotografien schreiben Geschichte, geben
Deutungen vor und konstruieren soziale Wirklichkeiten. Deutlich wird dies an
der Frage nach der Repräsentation der afroamerikanischen Gemeinschaft im
Bilderkanon der us-amerikanischen Geschichte. Bilder vom alltäglichen Leben und
der gesellschaftlichen Teilhabe schwarzer Familien in den USA fehlen dort weitestgehend. Während die
Afroamerikaner sich auf der politischen Ebene seit der Sklaverei Schritt für
Schritt ihre Befreiung und politische Rechter erkämpften, hinkte ihre
bildnerische Repräsentation weit dahinter zurück. Nach der Lesart von Thomas
Allen Harris, dem Regisseur des Films, ist die Befreiung aus der Sklaverei
verbunden mit der Übernahme der Kontrolle über das eigene Bild, der Freiheit
Bilder von sich zu machen, sich für Bilder in Szene zu setzen. Dies zeigt der
Film auf wunderbare Art und Weise. Gleichzeitig wird deutlich, wie sehr das
dominante Narrativ der USA diesem hinterherhinkt.
Was dieser Film deutlich macht,
ist der krasse Gegensatz zwischen dem Bild der afroamerikanischen Community in
den Massenmedien auf der einen Seite, vermittelt unter anderem über die
professionelle Fotografie und dem Bild der Gemeinschaft auf der anderen Seite,
welches sich in den Fotoalben findet. Die Fotografien in den Massenmedien
zeigen die Afroamerikaner meist als handlungsunfähige Subjekte der
Unterdrückung, mit festen Rollenzuschreibungen und als Menschen am Rande der
Gesellschaft. So hatte sich mit dem Beginn der professionellen Fotografie auch
ein manipuliertes, stereotypisiertes Bild der Afroamerikaner eingeschlichen,
welches geprägt war von gestellten Fotografien mit rassistischen Stereotypen,
Postkarten mit Lynchszenen und Cartoons, die schwarze als Wilde darstellten. In
den Familienbildern dagegen findet sich der Alltag, der Stolz, aber auch Zeugnisse
des sozialen Aufstiegs, von politischer Teilhabe. So wird deutlich wie sich die
afroamerikanische Community die Fotografie als ein Medium zur Selbstbestätigung
aneignet, während das gesellschaftliche Bild der Gruppe bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts
hinein von krudem Rassismus und Stereotypen geprägt ist.
Der Film beschreibt den Prozess
der Aneignung mit einer Fülle interessanter Beispiele. So wird die Geschichte
der schwarzen Frauenrechtlerin und Aktivistin Sojourner Truth erwähnt, die in
der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts den Verkauf von inszenierten Selbstporträts
nutzte um ihre politische Arbeit zu finanzieren. Oder das Beispiel des schwarzen
Politikers Frederic Douglass, der für seine politische Karriere über 150
Porträts von sich anfertigen ließ und damit als einer der meist fotografierten
Amerikaner des 19. Jahrhunderts gilt. Auch der amerikanische Bürgerkrieg hatte
eine wichtige Funktion: schwarze Soldaten ließen sich stolz als Patrioten und
freie Kämpfer abbilden. So wurde visuell festgehalten, wie sich die
Afroamerikaner Schritt für Schritt vormals von Weißen dominierte soziale Räume
„bildlich“ erobern. Erstaunlich auch die sogenannte „American Negro Exhibit“ auf der Weltausstellung in Paris im Jahr
1900. Sie war der Emanzipierung der Schwarzen Amerikaner in den USA gewidmet
und stand in krassem Gegensatz zu kolonialen Ausstellungen auf der
Weltausstellung, wo Schwarze Afrikaner zur Schau gestellt wurden. Ein anderes
gutes Beispiel ist das 1910 gegründete „Crisis
Magazine“. Es zeigt, wie Schwarze am Leben in den USA als vollwertige
Bürger teilnehmen. Für viele zeitgenössische Fotografen war das 1955
veröffentlichte Fotobuch „The sweet
flypaper of life“ von Roy DeCavara ein Augenöffner und stellte eine immense
Inspirationsquelle dar. Von einigen
wird das Buch im Film gar als die Bibel für junge schwarze Fotografen und
Fotojournalisten bezeichnet, da es sich einer gänzlich neuen, der Bedeutung der
Schwarzen gerecht werdenden Sicht verschrieben hat. Aber auch die Familienalben
der afro-amerikanischen Community sind jedoch nicht ohne Leerstellen. So fehlen
oft homosexuelle Familienmitglieder. Die Gemeinschaft hat diese mittels der
Fotografie ebenfalls ausgeschlossen.
Die filmische Narration arbeitet
dabei auf mehreren Erzählebenen. Ausgangspunkt ist die Familiengeschichte von
Thomas Allen Harris und die Beziehung zu seinem Vater. Anhand von Bildern aus
Fotoalben der Familie nähert er sich den einzelnen Charakteren und deren
Darstellung im Bild. Als statische Bilder werden immer wieder Fotografien aus
den Fotoalben Format füllend eingeblendet. Thomas Allen Harris ist auch die
Stimme aus dem Off, die den Film begleitet. Eine weitere Ebene sind die
Interviews, in HD aufgenommen. Es gibt zwei Gruppen von Interviewpartnern:
Fotografen sowie Wissenschaftler, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Die
Interviewten sitzen am rechten oder linken Bildrand, in leichtem Anschnitt, vor
einem schwarzen oder weißen Hintergrund. Meist sind es kurze
Interviewausschnitte, die sich über die Länge des Films zu einer Narration
zusammenfügen. In einigen Ausschnitten sind die Interviews vor Bilder aus
Fotoalben montiert. Die meisten der interviewten Fotografen tauchen ein zweites
Mal im Film in Ausschnitten aus Super8 Filmen auf. In diesen Sequenzen zeigen sie
ihre eigene fotografische Arbeit. Darüber hinaus werden immer wieder Bilder der
professionellen Presse- und Studiofotografen in den Erzählstrang des Films
eingewoben. Durch die verschiedenen Ebenen entsteht ein hohe visuelle Dichte
und Komplexität.
Die verschiedenen Erzählebenen
und die Vielzahl an Bildern und Interviewpartnern haben eine atemberaubende
Informationsfülle zur Folge. Alleine über 30 Fotografen kommen zu Wort, des
Weiteren knapp 20 Wissenschaftler. Selbst für Menschen, die sich viel mit dem
Thema Fotografie beschäftigen, gibt es neue Aspekte. Kaum einer der Fotografen
oder Autoren ist über die USA hinaus bekannt geworden. So ist trotz der
bewundernswerten Intentionen des Direktors und der handwerklichen und
inhaltlichen Präzision des Films in Frage zu stellen, ob der Film das Potential
hat, das große Publikum anzuziehen und aus der Polit-Nische herauszukommen.
Genau dies wäre dem Thema jedoch zu wünschen, denn kaum einer hat bisher so
eloquent und gleichzeitig präzise die Rolle der afroamerikanischen Community in
der Fotografiegeschichte der USA aufgearbeitet. Um den Film in der
Bildungsarbeit einsetzen zu können, ist jedoch eine Kontextualisierung der im Film bearbeiteten Themen
notwendig.
Unter anderem aus diesem Grund
ist der Film in ein umfangreiches Multimediaprojekt eingebunden, die „Digital Diaspora Family Reunion (DDFR)“.
Das Projekt richtet sich an die afrikanische Diaspora um über die Arbeit mit
Bildern aus persönlichen Fotoalben und dem Familienarchiv zu einer Neubewertung
der Geschichte zu kommen. Wichtigstes Element der DDFR ist eine „Roadshow“. Dahinter verbirgt sich ein
Format, welches das Screening des Films USA-weit mit Bildungsangeboten und
Workshops verbindet. Besucher der Roadshows werden aufgefordert, selbst in den
Fotoalben ihrer Familien nach Zeugnissen der Geschichte zu suchen. Das Projekt
bedient sich auch der neuen sozialen Medien. Mit dem Hashtag #1World1Family
können Bilder auf der Fotoplattform Flickr hochgeladen werden, um so ein Archiv
der Geschichte von Familienbilder schwarzer Amerikaner zu erstellen.
Der Film „Through a lens darkly“ ist bei aller Grausamkeit der gezeigten
Bilder vor allem ein Plädoyer für die Humanität in der Fotografie. Der
Regisseur Thomas Allen Harris sieht die Fotografie als ein Medium um Brücken zu
bauen. So spricht er im Film von der „power
of the image to reshape the understanding of the afro-american by the white
community and the afro-americans themselves“. Darüber hinaus geht es ihm
darum Verantwortung dafür zu zeigen, was Schwarzsein bedeutet – damals, heute
und in der Zukunft. Er spricht von einer Vision, über die Fotografie ein Album
der Humanität zu schaffen, in dem die Menschen sich als gleichwertig betrachten
können, „to see us as one“. Diesem
Anliegen kann man nur gutes Gelingen wünschen.
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