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Freitag, 1. Mai 2015

Rezensionen zu Conflict, Time, Photography

Kaum eine Ausstellung zum Thema Fotografie und Krieg hat in der letzten Zeit so viel Medienresonanz bekommen, wie "Conflict, Time, Photography" im Museum Folkwang in Essen die Mitte April eröffnet wurde. Hier ist eine Zusammenstellung von Rezensionen aus der deutschsprachigen Presse mit kurzen Zitaten der Rezensenten.


"Es mag an der Auswahl der Kuratoren liegen oder am Gegenstand der Ausstellung: Jedenfalls zeigt sich eine Scheu der Fotografen, den Überlebenden die Erinnerung an das Millionenheer der Toten aufzubürden".



 "Und so ist auch die Ausstellung mit ihren jähen Fügungen ein dichter Essay über den Zusammenhang von Fotografie und historischem Gedächtnis. Dem aber geht es nicht nur darum zu erinnern, sondern darum zu verhindern. So könnte die Schau gut im Titel tragen, was Vonnegut ans Ende seiner Texte setzte: Peace"



"Es braucht nicht mal den Blick ins Massengrab republikanischer Gefangener, den Luc Delahaye 70 Jahre nach Ende des Spanischen Bürgerkriegs festgehalten hat, um uns zu zeigen, was Krieg und Gewalt mit den Menschen macht"



"Die großen Fotos, ob Augenblicke oder Jahrzehnte nach dem Ereignis aufgenommen, brauchen kein ihnen aufgestülptes Konzept, McCullins traumatisierter Soldat ebenso wenig wie Tomatsus bei 11.02 stehengebliebene Uhr – da explodierte die Bombe von Nagasaki – oder die Skelette von hingerichteten Republikanern, die Luc Delahaye 70 Jahre nach Ende des Spanischen Bürgerkriegs fotografierte".



Audiobeiträge und Bildergalerien zum Thema:



Mittwoch, 15. April 2015

Den Krieg im Blick


Vergangene Woche eröffnete im Essener Folkwang Museum die Ausstellung „Conflict, Time, Photography“. Kaum ein Feuilleton, dass in den vergangenen Tage die Schau nicht rezensiert hätte. Selbst die Tagesschau der ARD brachte am vergangenen Donnerstag zur Prime-Time einen kurzen Einblick in die Ausstellung. Konzipiert wurde die Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Tate Modern in London und der Staatlichen Kunstsammlung in Dresden und ist in Essen noch bis zum 5. Juli zu sehen.



Beeindruckend ist die Schau zunächst ein Mal aufgrund der Zahlen. In 13 Räumen sind 125 fotografische Arbeiten zum Thema Krieg und Konflikt zu sehen. Dabei nimmt die Ausstellung für sich in Anspruch, nicht die Geschichte der Kriegsfotografie erzählen zu wollen, sondern eine neue und unkonventionelle Perspektive auf die Bildgeschichte des Krieges zu eröffnen. Das Ordnungsprinzip der Ausstellung ist der Zeitpunkt der Rückschau, der Moment, an dem die fotografische Arbeit entstand, vom Moment danach bis zu Jahrzehnten später.

Versammelt sind in Essen Werke der bekanntesten zeitgenössischen Fotografen, von Don Mc Cullin über Luc Delahaye bis hin zu Stephen Shore, aber auch Frühwerke der Kriegsfotografie beispielsweise von Roger Fenton. Im Vordergrund steht die Auseinandersetzung mit den Kriegsfolgen, den Spuren von Gewalt und Zerstörung auf die Landschaft und die Architektur. Es sind eher dokumentarische als fotojournalistische Arbeiten, eher künstlerische als erzählerische Arbeiten zu sehen. Die Augenzeugenschaft vor allem journalistischer Kriegsfotografie, ist weitestgehend abwesend. Stattdessen wird der Moment danach inszeniert, wie in den großformatigen Arbeiten von Luc Delahaye während der Zeit der westlichen Interventionen in Irak oder Afghanistan im Krieg gegen den Terror.

Über allem schwebt das kuratorische Konzept, der Blick auf den Krieg aus unterschiedlicher zeitlicher Distanz. Den Arbeiten selbst sieht man nicht an, in welchem Abstand zum Ereignis sie aufgenommen wurden, was beispielsweise am  Grad der Reflexion sichtbar werden könnte. Was sich ändert sind natürlich die dargestellten Gegenstände, weil die Ruinen der alliierten Flächenbombardements natürlich nur Wochen und Monate später, nicht jedoch Jahrzehnte später zu finden sind. So macht sich die Fotografie dann auf die Suche nach anderen Spuren, den Spuren von NS-Bauten oder Denkmälern.

Natürlich gibt es auch in dieser Ausstellung Höhepunkte. Erschreckend ist das Bild von Eiichi der eingebrannten Silhouette eines Wachsoldaten an der Wand nach dem Atombombenabwurf in Hiroshima. Verstörend ist das Bild „Patio Civil“ von Luc Delahaye. Er fotografierte ein Massengrab aus dem Bürgerkrieg in Spanien, das aufgrund der Zweidimensionalität und der Übergröße an klassische Gemälde erinnert. Toll ist die Intervention im öffentlichen Raum von Emeric Lhuisset im Nordirak als Hommage an den getöteten kurdischen Schriftsteller Sardasht Osman. Er hängte nicht fixierte SW-Abzüge von Osman in die Straßen die innerhalb von wenigen Stunden schwarz wurden und damit zu einer Anklage mutierten.

Im vergangenen Jahr veröffentlichte der deutsche Fotograf Christoph Bangert sein vieldiskutiertes Buch „War Porn“. Seine Kritik ist, dass Redaktionen zu wenig das Leid und die Gewalt im Krieg zeigen. Ähnliches gilt für die Essener Schau. Was der Betrachter hier zu sehen bekommt, ist zu weiten Teilen der distanzierte Blick auf den Krieg, ein cleaner, künstlerischer und irgendwie auch künstlicher Blick auf Gewalt und Zerstörung. Zumindest die Chance auf radikale Nachdenklichkeit, wie es das Museum Folkwang für sich in Anspruch nimmt, wird damit vertan.

Die Ausstellung ist noch bis zum 5. Juli zu sehen. Das Museum ist Dienstag bis Sonntag von 10 - 18 Uhr geöffnet, Donnerstag und Freitag bis 20 Uhr.

Dienstag, 2. Oktober 2012

Wie die PR-Logik die Diskussion über Bilder von Kriegen und Konflikten überlagert


Gedanken zu einem zentralen Feld der Diskussion um Kriege und Konflikte, ihre visuelle Darstellung und das vermeintliche Aufkommen von Bilder-Kriegen im 20. Jahrhundert.

Im Grunde ist es doch eine simple Gleichung: Wenn ich moralisch einwandfrei und integer handele, dann muss ich Bilder, welche die Konsequenzen dieses Handelns zeigen nicht fürchten. Oder? Soweit so gut. Warum ist dann in der Diskussion über Bilder von Kriegen und Konflikten immer wieder die Rede davon, dass Bilder Waffen in den Händen des Gegners sein können, dass der Zugang zu den militärischen Auseinandersetzungen beschränkt werden muss? Lassen wir mal die Bilder, welche von terroristischen Gruppierungen inszeniert werden weg, und widmen uns den Kriegen der westlichen Mächte im letzten Jahrzehnt, dem Irak-Krieg, dem Afghanistan-Krieg oder dem Gaza-Krieg. Was haben die US-Army, die israelische Armee, oder die NATO-Verbündeten zu fürchten, wenn Bilder von Opfern ihrer Kriege gezeigt werden? Wenn der Einsatz gerechtfertigt ist, wenn den beteiligten Nationen und den Familien der Angehörigen die Risiken und Gefahren bewusst sind, werden sie doch auch sicher mit den Opfern von Kriegen umgehen können. Oder? Und falls nicht, werden sie vielleicht den Krieg in Frage stellen, seine Logik und seine (menschlichen) Kosten und Alternativen fordern. Aber wäre das so schlimm? Genau das ist es, was die Militärs fürchten. Deshalb, deklarieren sie Bilder zu Waffen, da es ihre Logik der militärischen Konfliktlösung in Gefahr bringen könnte. Und aus der Perspektive einer Public-Relation Kampagne, die heute immer Teil moderner Feldzüge ist, erscheint es natürlich ebenfalls verheerend, wenn Bilder die negativen Folgen des Handelns eines Akteurs zeigt, von dem eigentlich ein moralisch-integres Image kreiert werden soll. Aber sind (Foto-) Journalisten, die dieses Image in Frage ziehen, die durch ihre Bilder und Berichterstattung ein anderes Bild zeichnen, gleich Feinde? Muss ich sie von Schlachtfeld verbannen? In keinem Fall. Sie decken auf, was Alltag des Krieges und seine Konsequenzen sind. Nicht die Bilder töten, sondern die Waffen und der Alltag des Krieges. Die Informationen  der Journalisten sind wichtig, damit sich die Menschen ein Bild machen und eine Meinung bilden können. Bilder als Waffen zu bezeichnen, dient ausschließlich den Interessen der militärischen und den sie mandatierenden Akteure und sollte weder in den journalistischen noch in den alltäglichen Sprachgebrauch übergehen.

Montag, 30. Januar 2012

Gedanken über eine konfliktsensitive Fotografie

Meiner Ansicht nach ist es sinnvoll, in Abgrenzung von der Konflikt- und Kriegsfotografie die Theorie – und damit auch eine Anleitung für die Praxis – einer Friedensfotografie bzw. einer konfliktsensitiven Fotografie zu entwickeln. Der Grund ist, dass Bildern in ihrer Funktion als Vermittler eine zentrale Rolle in der massenmedialen Berichterstattung zukommt, insbesondere wenn es um die Darstellung von Konflikten geht. Von daher müssen ihre Auswahl und ihre Produktionskriterien ob ihres Zweckes hinterfragt und Alternativen entwickelt werden. Vor allem, da konfliktive und gewalthaltige Situationen den strukturellen Vorteil sehr bildgewaltiger und visuell beeindruckender Ereignisse haben und somit geeigneter erscheinen, mediale Aufmerksamkeit zu bekommen.

Zentral ist es mit ähnlichen Kriterien ans Werk zu gehen wie Wort-Journalisten die im Bereich des konfliktsensitiven Journalismus arbeiten. Die Konfliktsensitivität ist sicherlich der zentrale Begriff, der auch für Fotografen und Bildproduzenten Gültigkeit besitzt. Das heißt primär, mit Empathie und einer Fokussierung auf den Menschen an die Arbeit zu gehen, dass man ausgehend von einer umfangreichen Konfliktanalyse arbeitet, die Methoden der Friedens- und Konfliktforschung anwendet und die Perspektive der Bilder und Geschichten lösungsorientiert ist. Fotojournalistische Arbeit in diesem Sinn lässt sich ohne umfangreiche Recherchen im vorhinein nicht machen. Auch ein fundiertes konflikttheoretisches Wissen gehört dazu. Es reicht des Weiteren nicht aus, zu wissen wie man sich in Kriegs- und Krisengebieten bewegt und das eigene Leben schützt, auch das Wissen um die eigene Rolle und die Implikationen der eigenen Anwesenheit für den Konflikt sind zentral.

Über Bord geworfen werden muss meiner Ansicht nach das Konzept des Kriegsfotografen als dem neutralen Dokumentator oder Beobachter. Die Ausübung einer neutralen Funktion bei der Anwesenheit in Kriegen und Konflikten ist so gut wie unmöglich. Vom Moment unseres Auftauchens in der Region an hat die Anwesenheit des Fotografen positive oder negative Implikationen. Das Sinnvollste, was sich daraus ableiten lässt, ist eine Forderung nach Allparteilichkeit, die jedoch in der Praxis schwer umzusetzen ist. So ist es nicht unbedingt notwendig, mit jeder Partei zu reden und sie zu bebildern, aber es muss versucht werden mit gleicher Intensität auf beiden oder allen im Konflikt involvierten Seiten präsent zu sein.

Ein großes Problem stellt auch die Bildsprache dar, die vor allem in den Massenmedien von einer Faszination für dramatische und epische Untergangsszenarien geprägt ist. Ruinen, Opfer von Gewalt, die letzten Überlebenden, all dies sind „sexy“ Bilder die sich gut verkaufen lassen und die kurzfristig die Aufmerksamkeit des Medienrezipienten binden. Dies heißt keinesfalls, dass nicht Bilder vom Konflikt gemacht werden können, die eine ähnliche Faszination und Aussagekraft haben, ohne dass aber Gewalt und Leid im Mittelpunkt stehen.

Von zentraler Bedeutung ist auch den weiteren Weg nicht aus den Augen zu verlieren, den ein Bild ab dem Zeitpunkt der Aufnahme bis hin zum Abdruck in einem Medium nimmt. Auch hier könnten konfliktsensitive Standards implementiert werden. Mehr Bedeutung müsste den Angaben des Bildes gegeben werden, die vom Fotografen erstellt werden und die den Kontext der Aufnahmen erklären: Datum, Uhrzeit, Ort, Umstände, Bildunterschrift, Akteure und Namen der Abgebildeten. Diese Angaben müssen so ausführlich wie möglich dann auch im entsprechenden Medium abgebildet werden, um dem kritischen Rezipienten die Möglichkeit zu geben das Bild einzuordnen. Des Weiteren müsste von den Fotografen die Forderung an die Redaktionen getragen werden, sich so weit wie möglich von der Ein-Bild-Darstellung wie sie vor allem in den Tageszeitungen vorherrscht, zu verabschieden. Bildpaare, die zwei kleine Fenster auf das behandelte Thema öffnen, sollten dies ersetzen.

Diese Gedanken sollen eine Anregung zur Diskussion darstellen. Kommentare sind herzlich willkommen.

Dienstag, 2. August 2011

Über das Verhältnis von Fotografie und Konflikt


Im Folgenden habe ich einige knappe Überlegungen zum Verhältnis von Fotografie und Konflikt zusammengetragen. Zu allererst geht es hier darum, verschiedene Ebenen auseinander zu dividieren, was vor allem für die Analyse und die Beurteilung von Bildern über einen Konflikt eine zentrale Bedeutung hat.

Die Geschichte der Beziehung von Bildern und gesellschaftlichen Konflikten ist so alt wie die Bildgeschichte selbst. Schon bei den ersten Versuchen des Menschen in Form von Wandzeichnungen Geschehnisse bildnerisch darzustellen, ging es oft um Alltagskonflikte zwischen Gruppen oder mit der Tierwelt. Diese Auseinandersetzung zieht sich durch die Mediengeschichte des Bildes, von den eben genannten Höhlenmalereien, über Zeichnungen, Malerei, Druckgrafik, die Fotografie und das Bewegtbild. Heute ist die Fotografie das zentrale Medium des statischen Bildes in dem gesellschaftliche und soziale Konflikte verhandelt werden. Dabei stellt sich die Frage, was das Besondere im Verhältnis von Fotografie und Konflikt ist und auf welchen Ebenen sich dieses Verhältnis beschreiben lässt.

Ausgangspunkt jedes fotografischen Produktes ist der fotografische Akt. Dies ist der zentrale Moment der Interaktion zwischen dem Fotografierenden und dem Fotografierten. Wenn der fotografische Akt innerhalb einer Konfliktsituation stattfindet, so ist dieser Akt auch der Dynamik des Konfliktes unterworfen. Meist sind die Fotografierten auf die eine oder andere Teil dieses Konflikts und die Fotografierenden begeben sich bewusst in diesen Konflikt um dort Bilder zu produzieren oder sind selbst Teil dessen weil ihr Lebensmittelpunkt dort liegt. Die Relevanz beim fotografischen Akt liegt hier vor allem in der sozialen Interaktion, aus der ein bestimmtes fotografisches Produkt in Form eines Einzelbildes oder einer Serie entsteht. Die Einführung der Kamera in eine soziale Situation bedeutet dabei immer auch eine Veränderung dieser Situation und vor allem in Konfliktsituationen kann dies unterschiedliche Auswirkungen für den Fotografierten wie für den Fotografierenden haben. Was hier stattfindet ist eine Produktion von Rohmaterial für den weiteren Prozess der Bedeutungskonstruktion.

Die Fotografien, die aus einer solchen fotografischen Situation entstehen, sind als Zeugnisse bzw. Referenzen dieser Situation zu betrachten. Trotz der Genauigkeit der fotografisch-technischen Abbildungsmöglichkeiten gelten die entstanden Bilder nicht als reine Abbilder der Realität, sondern als subjektive Wirklichkeitskonstruktionen des Fotografierenden. Aufgrund der Anwesenheit des Fotografierenden bei der Produktion des Bildes ist jedoch eine gewisse Authentizität gegeben, die den enstandenen Bildern eine gewisse Glaubwürdigkeit und dokumentarischen Charakter verleiht. Diese Fotografien können dann verschiedenen Verwertungskontexten zugeführt werden: einem journalistischen, einem künstlerischen oder einem werblichen Kontext. Ein bestimmtes Bild mit einer bestimmten Intention wird ausgewählt, um als Referenz zu der real stattgefundenen Situation gezeigt zu werden. Derjenige welcher diese Fotografien auswählt, sowie der Fotografierende der mit einer Auswahl die er zur Weiterverwertung zur Verfügung stellt den ersten Schritt geht, verfolgen eine bestimmte Intention und wollen eine bestimmte Botschaft übermitteln, die nicht unbedingt derselben Intention folgen muss.

Eine neue Ebene kommt durch den Kontext der Veröffentlichung bzw. der Präsentation hinzu. Je nach Veröffentlichungsmedium, ob Zeitung oder Zeitschrift, der Anpassung des Kontextes durch das Hinzufügen von Bildunterschriften und die Einbettung in einen Text wird die Lesart des Bildes zentral beeinflusst. Dem Rezipienten wird eine dominierende Lesart bzw. Bedeutungskonstruktion vorgegeben, die er übernehmen oder der er sich widersetzen kann. Hier steht nicht mehr die Aussage des Fotografierenden im Vordergrund, sondern das Bild wurde ausgewählt um ein bestimmtes Thema bzw. eine bestimmte Nachricht zu bebildern. Im Idealfall korrespondiert dies mit der Intention des Fotografierenden und bilden Text und Bild eine gemeinsame Ebene. Das Bild ist hier in jedem Fall zu allererst als ein publizistisches Produkt zu betrachten und erst in zweiter Linie als das Produkt des Fotografierenden. Die Summe der publizierten Bilder über einen Konflikt machen dann die Bildberichterstattung über diesen aus. Daraus kann z.B. auf eine bestimmte dominierende Ikonografie geschlossen werden. Diese ist dann sowohl Resultat der Bildauswahl durch die Redaktionen als auch der Produktion der Fotografen. Inwieweit das pressefotografische Bild über einen Konflikt noch der tatsächlichen Ereignisebene bzw. der „Konfliktrealität“ entspricht, ist von mal zu mal neu zu beurteilen und zu diskutieren.

Mittwoch, 15. Juni 2011

Photographers in Conflict

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Fotografien werden von Menschen gemacht. Diese allzu simpel klingende Aussage gerät jedoch oft in Vergessenheit. Vor allem dann, wenn wir Pressefotografien in der massenmedialen Berichterstattung betrachten. Die Fotografien erscheinen dort meistens als eine autor- und geschichtslose Referenz an ein vergangenes Ereignis. Informationen darüber, wer diese Bilder produziert hat und was der Entstehungskontext ist, gibt es nur in ganz seltenen Fällen.

Im Jahr 2006 haben die beiden Künstler Goran Galic und Gian-Reto Gredig zu diesem Thema ein Projekt gestartet. Auf dem Fotojournalismus-Festival „Visa pour l´Image“ in Perpignagn baten sie 32 FotojournalistInnen in eine Black Box um sie zu fotografieren und zu interviewen. Heraus gekommen sind großformatige, sachlich distanzierte Portraits vor einem graublauen Hintergrund. Im Profil oder Frontal fotografiert schauen einige den Betrachter an, andere haben den Blick in andere Ecken des Raumes gelenkt. Interessant ist, dass hier diejenigen, die normalerweise das mediale Bild von Krisen- und Kriegen prägen, selbst vor der Kamera stehen. In ausgewählten Interviewausschnitten nehmen die Fotografen darüber hinaus zu verschiedenen Fragen der fotojournalistischen Produktion in Krisen- und Kriegsregionen Stellung. An diesem Projekt beteiligt waren sowohl bekannte Namen der Fotojournalisten-Szene wie Paolo Pellegrin, sowie mehr oder weniger unbekannte Agenturfotografen.



Eine eigene Website zeigt einige der Portraits sowie Interviewausschnitte. Eine Dokumentation in Form einer Zeitung ist bei Kodoji-Press erschienen und kann über die Buchhandlung Walther König bezogen werden. Zuletzt zu sehen war die Ausstellung im FOAM in Amsterdam, in der ebenfalls sehr interessanten Ausstellung „Antiphotojournalism“.

Donnerstag, 26. Mai 2011

Imagine Peace: Über die Vorstellungskraft von Frieden


Es ist sicherlich bezeichnend dass dieser Blog „Fotografie und Konflikt“ und nicht „Fotografie und Frieden“ heißt. Während meine Motivation dahinter ist, das Verhältnis von Fotografie und Krieg kritisch unter die Lupe zu nehmen, steht dahinter natürlich auch die Beobachtung, dass Fotografie und Frieden ein weniger sichtbares und offensichtliches Thema sind.

Was es mit dem Verhältnis von Frieden und Bildern auf sich hat, dieser Frage widmet sich das Forschungsprojekt „Imagine Peace“ des Instituts Design2context der Zürcher Hochschule der Künste unter der Leitung von Rüdi Bauer und Clemens Bellut. Das Projekt stellt die Hypothese auf, dass mit dem Fehlen von Friedensbildern in der Bilderflut vor der wir heute stehen, auch die Vorstellungskraft von Frieden abnimmt und damit ein Vakuum entsteht. Gefüllt wird dieses mit Bildern über Konflikte und Gewalt. Aus diesem Grund hat „Imagine Peace“ eine Datenbank über Friedensbilder angelegt und sammelt Essays zu diesem Thema.



Ein zentraler Punkt in diesen Überlegungen zur Darstellbarkeit von Frieden und Konflikt ist meiner Ansicht nach der strukturelle Nachteil dem Frieden unterliegt. Frieden ist eine prozesshafte Angelegenheit, die sich schwerer darstellen und konzeptionalisieren lässt. Dagegen produzieren Konflikte oft gewalthaltige Ereignisse die als solche eine hohe visuelle Attraktivität besitzen. Dieser strukturelle Nachteil ist nur durch besondere visuelle Anstrengungen und gute, kreative fotojournalistische Recherchearbeit zu überwinden.


Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang eine Publikation, die sich dem Thema Bilder und Menschenrechte widmet. Als visuelles Lesebuch konzeptioniert, zeigt der von Lars Müller herausgegebene Band „Das Bild der Menschenrechte“ verschiedene Ansätze, wie die Vielschichtigkeit der Menschenrechte visualisiert werden kann.

Montag, 9. Mai 2011

Wissen Teilen: Fotografie, Konflikt und Social Bookmarking


Neben diesem Blog entsteht im Rahmen meiner Recherchen eine umfangreiche Linksammlung bei Mister-Wong. Ziel ist es, die Ergebnisse im Form des Social Bookmarking öffentlich zugänglich zu machen und interessante Links zum Thema Fotografie und Konflikt auszutauschen.

Im Moment bekommt man alle Informationen nur wenn man sich selbst ein Konto bei Mister Wong anlegt und einloggt. Ich arbeite daran die Informationen allen zugänglich zu machen.

Fotografie und Konflikt ist Online


Es ist geschafft! Nach Monaten des Überlegens, Planens, Nachdenkens und Konzeptionalisierens – was dem Medium und Blog und Internet eigentlich schon völlig entgegen läuft – ist mein Blog „Fotografie und Konflikt“ endlich online. Ich sehe diesen Blog als Teil meiner Recherchetätigkeit im Rahmen meiner Promotion über die fotojournalistische Produktion im Nahostkonflikt. Während meiner Recherchen ist mir immer wieder aufgefallen, wie schade es ist, Gedanken die sich entwickeln, Projekte und Websites auf die ich stoße, sowie konkrete Ideen nicht mit anderen Teilen und zur Diskussion stellen zu können. Darüber hinaus freue ich mich selbst immer wieder, wenn ich auf gut gemachte Blogs und Linksammlungen stoße, da dies die eigene Arbeit immens erleichtert und bereichert. In diesem Sinne wünsche ich eine interessante Lektüre und spannende Auseinandersetzungen.