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Mittwoch, 28. März 2018

Unresolved: Israel/Palästina in neuem Licht


Meinrad Schade ist einer der wichtigsten, zeitgenössischen Dokumentarfotografen der Schweiz. Nachdem er 2015 bereits das viel beachtete Fotobuch "Krieg ohne Krieg" veröffentlichte, mit dem er seine zehnjährigen Recherchen im Kaukasus abschloß, folgte jetzt ein weiteres Buch über seine Arbeit in Israel/Palästina.

"Unresolved" ist wie der vorherige Band im Schweizer Verlag "Scheidegger&Spieß" erschienen. Das Projekt war dabei eine Art Fortsetzung seiner bisherigen Arbeiten.  "Die Situation, wie man sie vor allem in der Westbank findet, ist eigentlich ein perfektes Versuchslabor für den Zustand von Krieg ohne Krieg, wie ich ihn suche", so erzählte er mir 2016 in einem Interview. Mehrere Jahre weilte er in mehrwöchigen Aufenthalten in der Region und bereiste das Land zusammen mit israelischen und palästinensischer Stringern von Norden nach Süden und Westen nach Osten.

 
Der Band erscheint pünktlich zum 70-jährigen Jubiläum der Staatsgründung Israels, die 2018 begangen wird. Gleichzeitig gedenken die Palästinenser zum 70. Mal der Nakba (arabisch für Katastrophe/Unglück), der Vertreibung aus ihren Siedlungsgebieten. Die politische und gesellschaftliche Situation im heutigen Israel, im Westjordanland, im Gazastreifen und auf dem Golan ist seit sieben Jahrzehnten ungelöst, weshalb man gemeinhin auch vom ungelösten israelisch-palästinensischen Konflikt spricht. Schades in den vergangen 5 Jahren fotografierter Fotoessay untersucht, wie sich der Konflikt in der Landschaft und im urbanen Raum niederschlägt und sich symbolhaft im Alltag zeigt. Ausführliche Bildlegenden in Deutsch, Englisch, Hebräisch und Arabisch beleuchten die Hintergründe. Die unterschiedlichen Leserichtungen von Deutsch/Englisch und von Hebräisch/Arabisch machen das Buch von zwei Seiten lesbar.

Meinrad Schade, 1968 in Kreuzlingen geboren, arbeitet seit 2002 als selbstständiger Fotograf. Nach einem Studium der Biologie an der Universität Zürich machte er 1997/98 eine Ausbildung zum Fotografen im Rahmen der Gruppe Autodidaktischer FotografInnen (GAF) in Zürich und 1999/2000 am Medienausbildungszentrum (MAZ) in Luzern. Er wurde unter anderem mit dem Swiss Photo Award (2011) und mit dem ewz.selection-Preis in der Kategorie «Redaktionelle Fotografie» (2011) sowie mit dem n-ost Reportagepreis in der Kategorie «Fotoreportage» (2013). Sein erstes Fotobuch "Krieg ohne Krieg" wurde 2016 mit dem DeutschenFotobuchpreis 2016 in Silber in der Kategorie Konzeptionell-Künstlerischer Fotobildband ausgezeichnet.


Die offizielle Buchpräsentation findet am Freitag den 6. April 2018 um 19 Uhr in der Buchhandlung "Never Stop Reading" in Zürich statt. Mit dabei sind Meinrad Schade, Shelley Berlowitz und Firas Abdelhadi. Moderiert wird der Abend von Nadine Olonetzky vom Verlag Scheidegger & Spiess.


Unresolved
Fotografien und Texte von Meinrad Schade
1. Auflage 2018
Texte in Deutsch / Englisch / Hebräisch / Arabisch
24 x 19.5 cm, Gebunden 188 Seiten, 152 farbige Abbildungen
ISBN 978-3-85881-808-9, 48,- Euro

Donnerstag, 22. Juni 2017

Von der Fotografie als Protest


Der israelisch-palästinensische Konflikt ist nicht nur einer der am längsten schwelenden internationalen Konflikte, er ist auch ein – häufig sehr umstrittenes – Thema der Nachrichten, insbesondere wenn es um Bilder geht. Oft geht es dabei um die Frage, wo Dokumentation aufhört und wo Aktivismus beginnt, wie subjektiv die Fotografen sein dürfen und ob Bilder manipuliert wurden. Einen klaren Punkt in dieser Debatte setzt das Buch "Activestills – Photography as Protest in Israel/Palestine".



Wie der Titel schon verrät, ordnet das im englischen Verlag Pluto Press erschienene Buch die Arbeit des Fotografenkollektivs "Activestills" als eine Form des Protests ein. Dies ist insofern geschickt, als dass damit zum einen ein klares Branding vorgenommen wird, zum anderen bestimmte Fragestellungen bzgl. des Verhältnisses von Subjektivität und Objektivität der Fotografen geschickt umgangen werden. Was die Fotografen des Kollektivs verbindet, ist ihre politische Vision. Angelegt ist dies schon im Gründungsgedanken der Gruppe, die sich im Jahr 2005 rund um die Dokumentation der Protest des palästinensischen Dorfes Bi'lin gegen den Bau der Sperranlage gebildet hat.
 
Im Laufe der 12 Jahre gab es wachsende Konstellationen des Kollektivs. Heute besteht es aus 10 internationalen, israelischen und palästinensischen Fotografen. Verändert hat sich der Fokus der Arbeit, der weg von den wöchentlichen Demonstrationen in der Westbank hin zu sozialen Themen und Kämpfen in Israel sowie zu anderen politischen Themen in Bezug zum israelischen Besatzungsregime ging. Auch die Arbeit des Kollektivs hat sich professionalisiert, bspw. über ein sehr umfangreiches Online-Archiv, ohne dass das Kollektiv sich damit in Richtung einer Foto-Agentur mit Vermarktungszielen entwickelt hätte. So ist die Nähe zu den sozialen Bewegungen und dem zivilen Widerstand ist geblieben, wenn nicht gar durch langjährige gemeinsame Praxis gewachsen.

Das mit 320 Seiten sehr umfangreiche Buch wurde aus Anlass des 10-jährigen Bestehens des Kollektivs publiziert. Auch wenn es viele Fotografien beinhaltet, ist es kein klassisches Fotobuch. Es ist in zwei Teile gegliedert, "Active" und "Stills". In beiden Teilen finden sich zu Beginn eher akademisch zu nennende Texte von versierten Autoren wie Ariella Azoulay, Vered Maimon, Meir Wigoder oder Simon Faulkner über Themen wie das Verhältnis von Protest und Fotografie, alternative Medien und fotografische Archive. Im ersten Teil gibt es dann je einseitige Statements von Aktivisten zur Arbeit des Kollektivs, während der zweite Teil die einzelnen Mitglieder des Kollektivs zu Wort kommen lässt.

Ein Beispiel für die Zirkulation der Bilder von Activestills innerhalb der politischen Bewegungen in der Region.

© Activestills


Innerhalb der publizistischen Landschaft zum Thema Fotografie und Israel/Palästina ist das Buch eine erfrischende Publikation. Geschickt führt es eine Vielzahl von akademischen und politischen Stimmen zusammen und zeichnet auf eindrückliche Weise die Bedeutung des Kollektivs für die sozialen Bewegungen der Region und den zivilen Widerstand gegen die israelische Besatzungspolitik nach. Toll ist zu sehen, wie in diesem Buch Kommentare von Vertretern der verschiedensten Bevölkerungsgruppen der Region Seite an Seite stehen und damit aufzeigen, dass ein gemeinsamer politischer Kampf möglich ist.

Vered Maimon/Shiraz Greenbaum: Activestills – Photography as Protest, London: Pluto Press, 320 Seite, ISBN: 978-0745336695, 24 Euro.

Webseite des Kollektivs: www.activestills.org


Montag, 19. Juni 2017

Autoreninterview zu "Fotoreporter im Konflikt"


Zu meinem im März bei transcript erschienen Buch ist auf der Webseite des Verlags ein kurzes Autoreninterview erschienen, dass ich an dieser Stelle teilen möchte. Es gibt einen kurzen Hintergrund zum Buchprojekt.


Warum ein Buch zu diesem Thema?

Wir sind tagtäglich von journalistischen Bildern umgeben, wissen aber viel zu wenig über deren Entstehungsbedingungen. Dazu kommt, dass der Nahostkonflikt sehr kontrovers diskutiert wird und nicht selten Manipulationsvorwürfe an Medien und vor allem an Bilder aus der Region gerichtet werden. Hier genauer hinzuschauen, erschien mir notwendig.

Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Mein Buch zeichnet sich durch eine doppelte Perspektive auf den Fotoreporter als Akteur aus. Aus einer konfliktwissenschaftlichen Perspektive geht es um den Fotoreporter als Akteur im Konflikt, aus  einer kommunikationswissenschaftlichen Perspektive um den Fotoreporter als Kommunikator. Die Kombination der beiden Perspektiven ermöglicht, fotojournalistisches Handeln im Konflikt umfassend zu diskutieren.

Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

In aktuellen Debatten um Fotojournalismus und Kriegsfotografie lässt sich eine starke Fokussierung auf das Einzelbild beobachten, wodurch die sozialen Praktiken, die konstitutiv für die zu diskutierenden Bildwelten sind, weitgehend aus dem Blick geraten. Genau diese Praktiken sind Gegenstand meiner Forschung und wurden in Form einer Kommunikatorstudie herausgearbeitet.

Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit den Protagonisten und Protagonistinnen des Buches, die sich die Zeit genommen haben, mir aus ihrer Erfahrung im internationalen Fotojournalismus in Israel/Palästina zu erzählen.

Ihr Buch in einem Satz:

Die Strukturen des Fotojournalismus und damit auch das Handeln der Akteure ist immer abhängig vom politischen System und dessen Herrschaftsstrukturen.

Wessen Interesse nun geweckt ist und wer einen detaillierteren Einblick in das Buch über den internationalen Fotojournalismus in Israel/Palästina bekommen möchte, der findet unter diesem Link eine kleine Leseprobe.

Freitag, 16. Juni 2017

Vortrag "Fotoreporter im Konflikt"


Auf Einladung der Offenen Fachhochschule der FH Dortmund habe ich am 28. April 2017 über das Thema "Fotoreporter im Konflikt - Der internationale Fotojournalismus in Israel/Palästina" referiert. Der Vortrag fand am Fachbereich Design statt und war gleichzeitig die Vorstellung meiner im transcript Verlag erschienenen Dissertation. Hier findet sich der Vortrag in voller Länger zum Anschauen.


Donnerstag, 23. März 2017

Neues Buch "Fotoreporter im Konflikt"


Im März 2017 ist im Bielefelder Transcript-Verlag meine an der Universität Erfurt verfasste Dissertation unter dem Titel "Fotoreporter im Konflikt – Der internationale Fotojournalismus in Israel/Palästina" erschienen. Damit findet das Rechercheprojekt über die Akteure und Strukturen des internationalen Fotojournalismus in der Region, das auch für die Gründung dieses Projekt Pate stand, einen ersten Abschluss.


Hier noch der Ankündigungstext des Verlags bzw. der Klappentext zum Buch:

"Das Handeln von Fotojournalisten in Konflikten stellt einen bisher wenig beachteten Teilbereich des Auslands- und Konfliktjournalismus dar. Felix Koltermann wirft erstmals in Form einer vergleichenden Kommunikatorstudie einen differenzierten Blick auf journalistisches Handeln internationaler, israelischer und palästinensischer Fotoreporter in Israel/Palästina. Ausgehend von 40 qualitativen Interviews arbeitet er Unterschiede in den Routinen und Praktiken der Nachrichten- und Dokumentarfotografie heraus und rekonstruiert den Einfluss des israelischen Besatzungsregimes auf die Akteure und Strukturen des internationalen Fotojournalismus in der Region".

Erscheinungstermin 03/2017, 458 Seiten, ISBN 978-3-8376-3694-9, 49,99 Euro
http://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-3694-9/fotoreporter-im-konflikt
Unter diesem Link gibt es eine Leseprobe zum runterladen, die das Inhaltsverzeichnis und die Einleitung des Buches umfasst.

Dienstag, 29. Dezember 2015

Aktuelle Artikel aus dem Herbst


Hier finden sich kurze Teaser zu den Artikeln und Interviews, die von mir im November und Dezember im Neuen Deutschland, bei der Deutschen Welle und bei Qantara veröffentlicht wurden, inklusive der Verlinkungen zu den vollständigen Artikeln.


Der "Jerulin-Prozess"

Vor zwei Jahren verließ Guy Briller Jerusalem und zog nach Berlin. Ich habe mit ihm über seine umfangreiche künstlerische Tätigkeit in der Heiligen Stadt, seine neuen Erfahrungen in Berlin und über Fragen der Zugehörigkeit gesprochen.

FK: Guy Briller, Sie haben viele Jahre lang in Jerusalem gelebt, und mit Ihren Kunstprojekten eine tiefe Verbindung zu diesem Ort geschaffen. Warum ist die Stadt für Sie so interessant?
Guy Briller: Eins der Dinge, die mich bei meinen Beobachtungen über Jerusalem so inspiriert haben, war das Missverhältnis zwischen Versprechen und Wirklichkeit. Die Essenz des Wortes "Jerusalem" auf Hebräisch ist "Eins" oder "Einheit". Also ist das Versprechen der Stadt sehr groß. In gewissem Sinne ist hier der Monotheismus stärker und bedeutsamer präsent als anderswo auf der Welt. Es ist einer der Orte, die es uns ermöglichen nachzudenken, in denen ich mich als "ich selbst" sehen kann, als "Eins". Die Wurzel dessen liegt irgendwo im uralten Mythos des Judentums verborgen, und danach im Christentum und im Islam. Aber die Wirklichkeit ist fast genau das Gegenteil. Diese Gegensätzlichkeit hat mir ein enormes Aktionsfeld eröffnet – die Möglichkeit, Wege zu beschreiben, auf denen man das Offensichtliche durchbrechen und sehen kann, was sich dahinter verbirgt.

Das vollständige Interview wurde am 18.12. auf Qantara veröffentlicht.


Die unbeugsamen Frauen von Kabul

Das Berliner Willy-Brandt-Haus zeigt noch bis Mitte Januar die Ausstellung "Die Unbeugsamen - Vier Frauen in Kabul" der deutsch-afghanischen Fotografin Lela Ahamadzai. Für die Deutsche Welle habe ich mit Ihr über ihre schwierige Arbeit am Hindukusch gesprochen.

DW: Bilder aus Afghanistan in deutschen Medien zeigen meist Krieg und Gewalt. Welches Bild möchten sie mit ihrer Arbeit vermitteln?
Lela Ahmadzai: Ich fotografiere seit 2003 in Afghanistan. Ich zeige ungern blutige Szenen oder Bilder von Frauen mit Burka. Als Klischeebild wird das zwar immer wieder angefragt, aber ich vermeide, diese Erwartungen zu bedienen. Ich habe selbst den Krieg erlebt und weiß, dass nicht ständig Bomben und Raketen explodieren. Durch meine Langzeitdokumentationen kann ich ein anderes Bild zeigen und etwas über das Leben der Menschen erzählen.

Das vollständige Interview wurde am 30.11.2015 bei DW Online veröffentlicht.


Spuren des Vergangenen

Es ist eines der Themen mit der größten politischen Sprengkraft in Israel: die Auseinandersetzung mit dem ersten arabisch-israelischen Krieg aus palästinensischer Perspektive. Was für die Israelis bis heute als der heroische Unabhängigkeitskrieg firmiert, wird im palästinensischen Narrativ als »Naqba«, große Katastrophe, bezeichnet. Damit wird auf die Zerstörung Hunderter Dörfer und die Vertreibung Hunderttausender Palästinenser aus ihrer Heimat in den Jahren 1948 und 1949 Bezug genommen. Der US-amerikanische Fotograf Fazal Sheikh hat dies zum Thema seiner Arbeit gemacht und unter dem Titel »Erasure« dazu ein Fotobuch im Göttinger Steidl-Verlag veröffentlicht.

Der vollständige Artikel ist am 3.11.2015 im Neuen Deutschland erschienen.


Mittwoch, 23. Dezember 2015

Foto-Archive in Israel/Palästina


Der israelisch-palästinensische Konflikt spielt sich nicht nur im alltäglichen Leben der Menschen in der Region ab, sondern auch in der Auseinandersetzung zweier konkurrierender Meta-Narrative bzw. nationaler Erzählungen. Ein wichtiger Pfeiler dieser Narrative ist die kollektive Erinnerung. Eine zentrale Rolle in der kollektiven Erinnerung spielen historische Fotografien und vor allem deren gezielter Einsatz bzw. das gezielte Nutzen zur Untermauerung bestimmter politischer Positionen in der Erinnerung. In diesem Zusammenhang ist eine zentrale Frage, aus welchen Quellen sich die historischen Fotografien speisen und wer heute die Verfügungsgewalt über die Archive und damit die historischen Fotografien hat. 

Es gibt eine ganze Reihe von Archiven mit historischen Fotografien aus der Region, die auch im Internet zugänglich sind. Am besten sortiert und am umfangreichsten sind die Archive zionistischer Organisationen wie der World Zionist Organization (WIZO) oder des jüdischen Nationalfonds (JNF). Dies ist insofern nicht verwunderlich, als dass seit der Gründung dieser Organisationen Fotografen in deren Namen tätig waren, um die Umsetzung des zionistischen Projekts zu dokumentieren. Ein anderes wichtiges und ebenfalls sehr politisches Archiv ist die National Photo Collection, die vom Presseamt der israelischen Regierung, dem Government Press Office (GPO) in Jerusalem verwaltet wird. Neben den Fotografien der Pressefotografen der israelischen Regierungen finden sich hier die Nachlässe bedeutender israelischer Fotografen wie Zoltan Kluger.

Neben den Archiven der zionistischen Organisationen und des israelischen Staates existieren auch umfangreiche private Sammlungen, die ebenfalls online zugänglich sind. Die umfangreichste und bekannteste Sammlung, die vor allem kommerziell genutzt wird, ist unter dem Namen „The Photo House“ bekannt und vermarktet Bilder des Tel Aviver Fotostudios von Rudi Weissenstein. Seit Mitte der 1930er Jahre dokumentierte er das Leben in der Mittelmeermetropole und dem Jishuv. Verschiedene private Fotosammlungen sind auch über die israelische Nationalbibliothek zugänglich.

Weniger umfangreich und weniger gut sortiert sind Archive auf palästinensischer Seite. Dies hängt zum einen damit zusammen, dass die Fotografie historisch gesehen auf Seiten der Palästinenser eine weniger große Rolle spielte als im zionistischen Projekt und zum anderen damit, dass das Projekt der Errichtung eines palästinensischen Staates bis heute in den Kinderschuhen steckt. Am systematischsten wurde das Leben der Palästinenser von den Fotografen des Hilfswerks der Vereinten Nationen für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) dokumentiert. Seit wenigen Jahren wird deren Archiv systematisch digitalisiert. Einige Werke palästinensischer Fotografen finden sich auch im Archiv der Arab Image Foundation aus dem Libanon. Die in Ramallah ansässige gemeinnützige Organisation Al-Qattan Foundation plant im Rahmen des von zu errichtenden Kunstmuseums auch ein Archiv palästinensischer Fotografie aufzubauen.

Bis heute gibt es nur wenig Forschung über die Bedeutung fotografischer Archive in der kollektiven Erinnerung der Israelis und der Palästinenser sowie die politische Verwertung der Bilder zur Unterstützung des jeweiligen Narrativs. Unbestreitbar ist sicherlich, dass die Archive politisch gelesen werden müssen. In einem der wenigen Aufsätze zum Thema schreibt die israelische Kuratorin Rona Sela über die zionistischen Foto-Archive auf der Plattform Ibraaz: „These archives are not neutral and are connected to a national ideological system that loads them with meaning and a Zionist worldview“. Es besteht insofern ein großes Ungleichgewicht, als dass es auf Seiten der Palästinenser sehr viel weniger umfangreiche Fotografie-Archive gibt. Hier Bedarf es in Zukunft großer Anstrengungen diese aufzubauen.






Montag, 18. Mai 2015

Neue Perspektiven auf Israel/Palästina


Meinrad Schade ist ein Schweizer Fotograf, der seit 2003 an einem Langzeitprojekt unter dem Titel „Krieg ohne Krieg“ arbeitet. Vor allem in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion hat er nach Spuren vor, nach und neben dem Krieg gesucht. Seit 2013 setzt Meinrad Schade sein Projekt in Israel/Palästina fort. Im April war gerade wieder für 4 Wochen in der Region. Am Rande einer Veranstaltung im Rahmen seiner Ausstellung „Krieg ohne Krieg“ im Fotomuseum Winterthur am 5. Mai sprach ich mit ihm über diese neue Etappe seines Projekts.

 
Jericho, Westjordanland, 2014 © Meinrad Schade

FK: Was waren die Gründe, warum Du Dich entschieden hast, das Projekt in Israel/Palästina fortzusetzen?

MS: Die Situation, wie man sie vor allem in der Westbank findet, ist eigentlich ein perfektes Versuchslabor für den Zustand von Krieg ohne Krieg, wie ich ihn suche. Von daher liegt es sehr nahe, dort weiterzumachen. Im ersten Moment hat mich davon abgehalten, dass dies auch andere in der Region schon gemacht haben. Sehr viele gute Fotografen waren schon in der Region. Auch in der Nagorny-Karabach hat man diesen Zustand, aber dort waren ein paar weniger Fotografen. Insofern hadere ich auch immer mal wieder mit der Entscheidung für Israel/Palästina. Aber mir scheint, dass der Ansatz den ich gewählt habe bisher weniger versucht wurde. Vor allem dahingehend, Israel und Palästina als Ganzes zu verstehen und die Grenzen zu verwischen. Deswegen spielen wir in der Ausstellung auch mit diesen Bildpaaren.

FK: Kannst Du ein Beispiel dafür geben?

MS: Auf meiner letzten Reise z. B. habe ich ein Bild einer israelischen Siedlung gemacht, die von der Armee zerstört wurde. Das sieht dann visuell genau gleich aus, wie die Beduinensiedlung in der Negevwüste, die von den Israelis zerstört wurde. Dieses Bild von Zerstörung kommt überall vor. Dies zeigt, dass die Israelis zum Teil auch gegen ihre eigenen Siedler vorgehen.

FK: Besteht bei diesen Gegenüberstellungen nicht auch die Gefahr, Unterschiede zu nivellieren.

MS: Klar, die besteht, das kann nicht leugnen. Aber es hängt ein bisschen vom Umgang damit ab. Ich sage immer, dass ein fotografischer Essay ein hochkomplexes, labiles Gleichgewicht hat. Und ich denke, in diesem Gleichgewicht, in diesen umfangreichen Essays kann und darf sowas stattfinden. Ohne dass völlig ausgleichen zu wollen.

FK: Israel/Palästina wird ja oft aus einer dichotomen Perspektive betrachtet. Entweder man ist für die eine, oder die andere Seite. Wie gehst Du mit dem Thema um?

MS: Ich betrachte Israel/Palästina als spannende Herausforderung für mich. Und diese Zerrissenheit habe ich selbst erlebt. Es wäre viel einfacher, nur in Palästina zu bleiben und sich der vorherrschenden - und auch verständlichen - Abneigung den Israelis gegenüber anzuschließen. Aber genau deswegen möchte ich auch mal zwei Wochen nur in Israel sein. Du merkst dann, wie Deine Wahrnehmung sich verschiebt. Sich dem immer wieder auszusetzen macht es spannend. Die Menschen suhlen sich eben in ihren  Haltungen. Auf Facebook finde ich das so extrem: Schau, was der Böse Israeli wieder gemacht hat. Und die Anderen machen es ja genau gleich, quasi nur spiegelbildlich. Es ist ein Wiederholen der Muster von wie böse der Andere ist.

FK: Gibt es schon Ideen, wie Du die neuen Arbeiten präsentieren willst.

MS: In meinem Kopf denke ich schon wieder an ein Buch. Ein Thema, das ich sehr spannend finde, sind z. B. die unterschiedlichen Narrative. Es wäre denkbar, die Bilder jeweils Israelis und Palästinensern vorzulegen und aufzuzeichnen, was sie dazu sagen. Aber wie gesagt, dass sind nur Ideen.

FK: Herzlichen Dank und weiterhin viel Erfolg für mit Deinem Projekt.


Der erste Teil seines Projekts mit Arbeiten über die Länder der ehemaligen Sowjetunion ist als Fotobuch im Schweizer Verlag Scheidegger&Spieß erschienen. Ein kleiner Film gibt einen ausführlicheren Einblick in dieses Projekt.

Freitag, 10. April 2015

Schreiben als Destillierung von Beobachtung


Der Amerikaner Stephen Shore ist einer der bekanntesten künstlerisch-dokumentarischen Fotografen unserer Zeit. In den vergangenen Jahren hat er am Projekt „This Place“ über Israel und die Westbank mitgewirkt. Im vergangenen Herbst sprach ich mit ihm über seine theoretischen Reflexionen über das Medium Fotografie, die er im Buch „The Nature of Photographs“ veröffentlicht hat.



FK: Herr Shore, neben ihrer fotografischen Arbeit schreiben sie auch über Fotografie. Wo sehen sie den Unterschied im Schreiben über Fotografie und in ihrer eigenen fotografischen Arbeit?

SS: Mein Schreiben ist sehr viel theoretischer und eine Destillierung der Beobachtungen meines Prozesses als Fotograf oder des fotografischen Prozesses. Was ich bisher immer vermieden habe, ist über den Inhalt von Bildern zu schreiben, weil ich Fotografie so sehr als deskriptives Medium liebe. Ich ärgere mich immer wieder über Leute, die sich ständig mit der Bedeutung ihrer eigenen Bilder beschäftigen. Ich bin dagegen der Meinung, dass Bilder für sich selbst stehen können. Wenn eine gute Fotografie funktioniert, aktiviert sie viele verschiedene Ebenen, auch unbewusste. Manchmal wissen Künstler überhaupt nicht, wie viele Ebenen durch ihre Arbeit aktiviert werden. Wenn sie dann beschreiben, was das Bild für sie bedeutet, gibt dies nicht das ganze Bild wieder. Die Bedeutung eines Bildes ist oft viel größer als das, was sie beschreiben. Dies möchte ich vermeiden. Ich möchte, dass Fotografie Fotografie ist und dass Schreiben etwas anderes ist.

FK: Ihr bekanntes Schreibprodukt ist das Buch "The Nature of Photographs", das viele Fotografen beeinflusst hat. An einer Stelle im Buch schreiben sie, dass fotografieren ein interaktiver Prozess zwischen der Wahrnehmung und einem mentalen Zustand ist. Könnten sie dies genauer ausführen?

SS: Wenn ein Fotograf die Welt betrachtet, sieht er, oder besser sehe ich – und ich sollte hinzufügen dass ich normalerweise mit einer 8x10 Inch Kamera arbeite – die Welt nicht durch die Linse der Kamera. Die 8x10 Inch Kamera ist keine Verlängerung des Auges. Das Bild entsteht immer im Kopf des Fotografen. Ich weiß, wie das Bild aussehen wird, bevor ich es mache. Man sucht das Bild nicht mit seiner Kamera. Die Kamera ist nur ein Hilfsmittel um das zu zeigen, für was ich mich entschieden habe. Wir haben es also mit einem mentalen Bild zu tun. Und im Fall einer 8x10 Inch Kamera hat dies auch praktische Gründe, weil die Kamera so groß und unhandlich ist, dass die Arbeit mit ihr nur funktioniert, wenn man das Bild vorher im Kopf hat. Die Kamera ist dann das Handwerkszeug, die das Bild vollendet. Ich denke, das gleiche gilt auch für Fotografen die mit einer Kleinbildkamera arbeiten, nur das der Prozess schneller und intuitiver abläuft. Auch sie haben das Bild im Kopf, bevor sie es machen. Das bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass wir eine festgefügte Idee davon haben, was das Bild sein wird. Die Fotografie basiert auf dem, was wir sehen. Darum habe ich gesagt, dass der Ausgangspunkt die Wahrnehmung ist und die generiert ein Bild in unserem Kopf, welches uns wiederum sagt, was wir mit der Kamera machen sollen.

FK: Wenn wir jetzt die Frage nach dem Inhalt dazunehmen, wo liegt dessen Bedeutung? Sehen sie auch den Inhalt, wenn das Bild im Kopf entsteht?

SS: Der Inhalt ist nicht in theoretischer Form vorhanden, ich denke nicht darüber nach. Manchmal sagen mir z.B. Studenten, dass sie ihrer Arbeit das Thema Identität umsetzen. Ich weiß nicht einmal ob ich sagen kann, was das bedeutet. Ich arbeite so nicht. Aber ich erkenne, wenn eine Beziehung entsteht, zwischen dem Inhalt den ich sehe und mir selbst. Es ist ein Gefühl das ich dann habe, dass dieser Inhalt eine Bedeutung hat. Diese muss nicht unbedingt intellektueller Natur sein, es kann auch emotional oder spirituell, oder alles zusammen sein. Aber wenn ich dieses Gefühl spüre, weiß ich das dort ein Bild ist.

FK: Sie schreiben in "The Nature of Photographs" dass die Fotografie eine analytische Disziplin ist. Meinen sie damit was wir gerade diskutiert haben?

SS: Nein, darunter verstehe ich etwas viel einfacheres. Ich nutze diese Definition um die Fotografie von der Malerei zu unterscheiden, die ein synthetisches Produkt ist. Man startet mit einer weißen Leinwand und jeder Strich, den der Künstler setzt, fügt dem Bild Komplexität hinzu. Das ist das Kennzeichnende für alle synthetischen Disziplinen. Eine analytische Disziplin macht genau das Gegenteil. Man startet mit der Welt und sucht eine Struktur in ihr, oder stülpt ihr die eigene Struktur über. Meist ist es eine Verknüpfung aus beidem.

FK: Ich habe das Gefühl, dass die Unterscheidung die sie gerade gemacht haben, sehr wichtig ist für den Diskurs über Fotografie, weil sie dazu beiträgt, den Diskurs über Fotografie vom Diskurs der Kunstgeschichte zu trennen. Denn der Diskurs der Kunstgeschichte kommt aus der Malerei und bezieht sich somit auf ein synthetisches Produkt.

SS: Richtig. Genauso ist es. Ich habe schon darüber geschrieben, dass viele Menschen die über Fotografie schreiben, ein Vokabular benutzen, welche aus der Kunstgeschichte kommt, einfach nur deshalb, weil sowohl Fotografie als auch Malerei rechteckige bildnerische Darstellungsformen sind. Der Begriff der Komposition ist ein gutes Beispiel dafür. Komposition beschreibt einen synthetischen Prozess. Wenn Fotografen anfangen zu komponieren, werden ihre Bilder allzu sehr vereinfacht. Meiner Ansicht nach denken die meisten interessanten Fotografen, die ich kenne, nicht einmal im Traum darüber nach, dass das, was sie tun, etwas mit komponieren zu tun hat.

FK: Herr Shore, vielen Dank für das Gespräch.

Donnerstag, 12. Februar 2015

Israel as a place of radical otherness


FK: Mr. Brenner, since 2007 you worked on the project “This Place”, inviting 10 internationally acclaimed photographers to work in Israel and the West Bank. What is the main topic of project?

FB: The project deals with Israel as a place and a metaphor. I see Israel as the pathology of the world. So it has of course to do with Israel, but in many ways you can look at these images and you don't think Israel, if you wouldn't know that it is about Israel. So it is an exploration of the human condition, on the polyphony outside and within. It is about the exploration of the human condition and the polyphony within each of us. It is of course the polyphony that Israel is about, but unless it brings us to listen to our own polyphony, the conflicts that start within our self. Most of the time we have to find the inner man. It is not about the outside. The outside journey is important in as much as it brings you back to deal with your own wars that you are waging inside or you don't dare to wage inside and that you bring outside.


Frédéric Brenner Palace Hotel 2009
Copyright: Frédéric Brenner / courtesy Howard Greenberg gallery

FK: What is characterizing this metaphor you talked about?

FB: The first metaphor, when I initiated the project or when I tried to phrase the working hypothesis, was for me that Israel is a place of radical otherness and a place of radical dissonance. For me it is not at all a conflict about Jews and Muslims, it is not about Israel and Palestine. It is really about three narratives. Remember this is a cake that was divided after the First World War and the French and the British divided the cake. So the French and the British were mainly Christians. So it is about three narratives: It is Christianity, Islam and Judaism. And this is basically a play, which is going on for 2000 years. Today it is only happening with new garbs. So I really look at three monotheistic religions, which translate into three major narratives who are wrestling with each other. So the idea of "This Place" is to look at Israel as a place where the maps of the sacred overlap, compete ultimately and exclude each other.

And when I say Israel as place and metaphor, I really think that the first metaphor has to do with Israel as a place of radical otherness. A place where every single person is the other of somebody else, a close and a far other: A Russian for an Ethiopian, a Moroccan for a German, a French for an American, an Arab Christian for an Arab Muslim, an Armenian for a Jew. And this goes on endlessly. But again, this otherness and this strangeness is within ourselves to discover that we are strangers even to ourselves. And I believe that for me Israel is called the Holy Land or the Promised Land. There is a promise attached to that land and that's what started my project. There's a promise for every person, wherever they come from and this is a promise of redemption. And redemption is truly about intimacy, it is about opening an inner space and an inner place in order to embrace. It is a promise for compassion for the multitude of selves within each of us and for all other human beings. This promised land,  belongs to no-one and every-one, it is nowhere and everywhere awaiting for our own humanity to awake. And maybe it is played everywhere else in the world, but also in Israel because so much has been projected on this place for 2000 years. I mean just take the church. The church is the reproduction of a Jerusalem, where ever, it is a small temple erected anywhere where Christianity has been present. So this place is very loaded.

FK: You said that you want to do a project without a political agenda. What you describe now are as well the political circumstances, the narratives and the things behind. So why was there this wish to do it apolitically, or without agenda?

FB: I didn't want to do it apolitically. How can I explain … As I said I wanted to look beyond the political narrative, not to ignore it or bypass it, but not to mistake for what it is not. What interested me is to look at the root level, to look at the archaic stakes before it becomes political or religious and to invite the people to look within. So that was what I wanted to do. Everything is political. Of course there is a political layer. But my perspective is really meta-physical; it is really an exploration of the human condition. And of course, Israel offers an incredible stage for an incredible polyphonic ensemble. This polyphony is within us. Fernando Pessoa says somewhere: "Each one is several, many, is a profusion of selves … in the outstretched colony of our being, people of all kinds exist who think and feel in different ways". There are many people who think and feel in different ways within ourselves, that is what I believe. And it is hard to embrace that.

FK: For the project you decided to work in Israel and the West Bank. Why did you decide on these two regions and what about Gaza?

FB: Originally I only wanted to work in Israel, because we didn't want the project to adopt a dual perspective. We didn't really exclude the West Bank, but we didn't include it directly. But in the formulation of the project the photographers stressed us in order to define what are the limits of this project. By including the West Bank we where running the risk of falling again in a dual perspective, for/against, victim/perpetrator, ... But the very choice of the artists that we had made was likely not to get us to end up there. So we eventually asked to define the limits of the project, we included the West Bank. And for better or for worse it has redefined what Israel is today, absolutely. But we decided to exclude Gaza, because Israel left Gaza some years back so it didn't made sense to include it. And also for security reason, we couldn't be responsible for the security of people. And we thought that Israel is far enough complex not to add one more layer. The project is to expose people to the many fault lines, to the many rifts and paradoxes of this highly contested place. And I wanted to look at Israel without complacency, but with compassion. This double movement was very important.

FK: Another interesting aspect is, that you only chose international photographers. How do you relate to this, as especially in Israel we find an amazing art and photography scene that you could have relied on?

FB: Within one people, we wanted outsiders, but we wanted "spectateurs engagées". We didn't want people who were trapped just by the very fact that they live there in the Israeli-Palestinian dialectics and too close to the subjects. But at the very beginning, I had a vision to create a counter point - I didn't know which form it could take – and to have 12 artists and four or five could be Israeli and Palestinians. And then because I had to carry on so much for the project, I abandoned the idea. Later one of our curators came back with that idea but we photographers didn't accept it. And then also you must understand that at the beginning I also abandoned that idea at least for some time because out of the Palestinians we wanted to include, some answered that they will never work on a land of occupation, even though they have basically been fed and nurtured by great Israeli dealers. And then later, when one of our curators wanted to include them, they asked "Why do you come to us so late? It is suspicious". It is very loaded and this is sad. Regarding the boycott of Israel, Fazal Sheikh said that he thought he could do more by looking, observing and bringing his point of view than by just boycotting. So it is stupid that they were given the possibility and they refused it at the beginning. This is why I didn't pursue it. And then when we went to them later, they found it was suspicious, which is actually true. So then we couldn't have Israelis neither because it would have made it political while the entire idea was to look beyond that.

FK: For the moment, the world premiere at the Dox Center in Prague is the only venue in Europe for the world tour. Do you plan to make more shows in Europe?

FB: It is not easy in Europe. The truth is, France didn't want to take it. It should have gone to the “Jeu de Paume” in Paris, but out of very political reason it was denied. I won't quote the words, but it was very ugly. And London obviously despite all the connections was afraid. Somebody said about "This Place" that it is the hottest potato in the art world and they don't want to burn their hands with that, while they haven't seen the show. And we talk about a major art gallery in London that I won't quote. That was what our former curator reported. We definitely want to have a show in Berlin and Martin-Gropius show is interested, but they have not committed. I hope with what has been published it will work out. We would love it to come to Germany.

FK: So when you looked for an exhibition venue, you were confronted with the point that the project was seen in a political light.

FB: This is what always comes up when you say Israel. And in a way, the subject is always first in the way people see it and not the modality. Meanwhile the modality really is to open another space.

FK: Mr. Brenner, thank you very much for the interview.

More information about “This Place” is available on the project website. Until the end of February the project can be seen at the Dox Center forContemporary Art in Prague. The next venue of the travelling exhibition will be the Tel Aviv Museum of Art. The interview was conducted at the opening weekend in Prague in Octobre 2014.