Donnerstag, 26. Mai 2016

Fotoszene Mexiko


Nicht erst seit der Digitalisierung ist die Fotografie ein globales Medium. Schon kurz nach der Erfindung des Mediums im 19. Jahrhundert breitete sich das Medium von Europa aus auf der ganzen Welt aus. In einigen Regionen war diese Ausbreitung eng mit dem Kolonialismus verbunden, in anderen geschah dies unabhängig davon. In Lateinamerika erlangten viele Länder wie Mexiko schon relativ früh zu Beginn des 19. Jahrhunderts ihre Unabhängigkeit, so dass sich die Fotografie dort weitgehend unabhängig von kolonialen Strukturen als lokales Medium etablieren konnte. Heute zu Beginn des 21. Jahrhunderts gehört Mexiko zu einem der Länder Lateinamerikas mit einer der spannendsten Fotoszenen, in die ich an dieser Stelle einen kleinen Einblick geben möchte.

Eine der ältesten und bis heute wichtigsten Institutionen der Fotografie ist das „Centro de la Imagen“ in Mexiko-Stadt. Es befindet sich im Zentrum der Stadt neben den weitläufigen Anlagen der mexikanischen Nationalbibliothek in einem alten Kolonialgebäude. Nach mehrjährigen Renovierungsarbeiten hat das Haus im Herbst 2015 erneut seine Tore geöffnet. Die auch vorher schon großzügigen Ausstellungsräume wurden erweitert und eine „Fotomuro“ genannte Außenanlage dazugewonnen. Neben hochkarätigen Ausstellungen lokaler und internationaler Fotografen ist das Centro de la Imagen Zentrum zweier Fotofestivals: des „FotoMéxico“ und der „Bienal de Fotografía“. Während die „Bienal de Fotografía“ den Fokus ausschließlich auf die lokale Fotografieszene richtet, ist „FotoMéxico“ der internationalen Fotografie gewidmet.

Blick in den neuen Ausstellungsbereich "Fotomuro" des Centro de la Imagen

Einen Namen gemacht hat sich das "Centro de la Imagen" auch über seine Bildungsangebote. Vor allem das „Seminario de Fotografía Contemporánea“ – das seit kurzem unter dem Namen „Seminario de Produccion Fotografica“ läuft – hat in den letzten Jahren mehrere Dutzend mexikanische Fotografen die Form eines intensiven künstlerisch orientierten Projektstudiums ermöglicht. Damit wurde eine zentrale Lücke geschlossen, die von den eher technischen orientierten, meist privaten Fotoschulen des Landes hinterlassen wurde. Ebenfalls wichtige Impulse gehen vom zweijährig stattfindenden „Encuentro Nacional de Teoria sobre Fotografía“ aus. Hier wird der theoretischen Debatte über die lokale und internationale Fotografie ein wichtiges Forum geboten.

Unabhängige Initiativen

Erst im vergangen Herbst eröffnete das Fotomuseum „Cuatro Caminos“ seine Tore. Benannt ist es nach dem Stadtviertel, in dem es sich befindet und der dortigen Endstation der Metro. Gegründet und finanziert wird es von der privaten Stiftung von Pedro Meyer, einer der Koryphäen der mexikanischen Fotoszene. Meyer, Jahrgang 1935, war in einer Vielzahl von wichtigen Initiativen der mexikanischen Fotografie, unter anderem dem „Consejo Mexicano de Fotografía“, der von 1976 bis zu Beginn der 1990er Jahre eine wichtige Rolle spielte, bevor er 2007 seine eigene Stiftung gründete. Die Räumlichkeiten des „Fotomuseo Cuatro Caminos“ müssen sich kaum hinter denen des „Centro de la Imagen“ verstecken und bereichern die Stadt um einen exzellenten Ausstellungsort.

Blick in den Eingangsbereich des "Fotomuseo Cuatro Caminos"

Vor allem im Bereich der fotografischen Sammlungen nimmt die „Fundación Televisa“, die von der privaten Fernseh- und Mediengruppe „Televisa“ getragen wird, eine zentrale Stellung ein. Unter dem Namen „Fotográfica“ findet sich eine der größten Sammlungen historischer und zeitgenössischer mexikanischer Fotografie. Darüber hinaus fördert die Stiftung eine Vielzahl von privaten und öffentlichen Initiativen im Bereich der Fotografie, darunter auch das Ausstellungsprojekt „Develar y Detonar“.

Auch sonst hat die freie Szene einiges zu bieten. Internationale Bekanntheit hat die private Galerie Patricia Conde erlangt, die ausschließlich fotografische Positionen in ihrem Portfolio hat und ihre Räumlichkeiten im bürgerlichen Viertel Roma hat. Sie vertritt bekannte lokale fotografische Künstler wie Flor Garduño oder Rodrigo Moya. Relativ neu auf dem Parkett ist die Initiative „La Hydra“, die unter anderem von Ana Casas Broda gegründet wurde, die lange Jahre am „Centro de la Imagen“ arbeitete. Hydra ist vor allem als Plattform aktiv, die eigene Weiterbildungsangebote entwickelt - wie einen Inkubator zum Fotobuch - oder kuratorisch wirkt, unter anderem in der Vorbereitung des Ausstellungsprojekts „Develar y Detonar“ im Jahr 2015.

Das Ausstellungsprojekt „Develar y Detonar“

Im Herbst 2015 wurde an drei verschiedenen Orten in Mexiko-Stadt die Ausstellung „Develar y Detonar.Fotografía en México ca. 2015“ gezeigt, die der Präsentation zeitgenössischer mexikanischer Fotografie gewidmet war. Über 50 fotografische Positionen waren zu sehen, die das Panorama von klassischen dokumentarischen Projekten bis hin zu künstlerischen Arbeiten spannten. Es war eine beispielhafte Kooperation zwischen den wichtigsten privaten und öffentlichen Institutionen im Bereich der Fotografie in Mexiko, wie „Fotográfica“ und der „Fundacion Televisa“ auf der einen und dem „Centro Nacional de las Artes“ und dem „Centro de la Imagen“ auf der anderen Seite. Das besondere an der Ausstellung ist, dass neben dem umfangreichen Katalog in Form eines Coffeetablebuchs das gesamte Projekt auch mit einer eigenen Onlinepräsenz an den Start ging. Dort sind zumindest Ausschnitte der einzelnen, zum Teil sehr umfangreichen Arbeiten zu sehen. Der Katalog überzeugt vor allem durch verschiedene Essays, die das Projekt und die gezeigten fotografischen Ansätze kontextualisieren.

Die Fotoszene abseits der Hauptstadt

Eine Schwierigkeit der mexikanischen Fotoszene besteht in den Auswirkungen der Zentralisierung des Staates die zur Folge hat, dass sich bis heute ein Großteil der kulturellen Initiativen in Mexiko-Stadt konzentrieren, wie es die eben geschilderten Beispiele aufzeigen. Es gibt jedoch einige Ausnahmen. So findet sich in der Stadt Pachuca im Bundesstaat Hidalgo, wenige Stunden nordöstlich der Hauptstadt gelegen, in einem alten Kloster im „Museo de la Fotografía“ die „Fototeca Nacional“. Dem nationalen Fotoarchiv sind viele lokale und regionale Fotoarchive angeschlossen, die jedoch oft in einem erbärmlichen Zustand sind, wie beispielsweise die „Fototeca Juan Crisóstomo Méndez“ in Puebla im Zentrum des Landes. Auf nationaler Ebene sind alle Foto-Archive im „Sistema Nacional de Fototecas“ (SINAFO) zusammengeschlossen.

Die SINAFO gibt auch die Zeitschrift „Alquimia“ heraus, die sich der Aufarbeitung lokaler Fotoarchive verschrieben hat. Aber nicht nur: Die Ausgabe 46 war zum Beispiel der zeitgenössischen mexikanischen Fotoszene gewidmet und bietet in Form eines Magazins zu einem geringen Preis einen tollen Überblick über eine Vielzahl unterschiedlicher fotografischer Ansätze der letzten Jahrzehnte.

Auch im Bundesstaat Oaxaca südwestlich der Hauptstadt befindet sich in der gleichnamigen Stadt ein Kleinod der mexikanischen Fotoszene, das „Centro Fotografico Manuel Álvarez Bravo“ (CFMAB). Gegründet wurde es 1996 vom international bekannten und aus Oaxaca stammenden Maler Francisco Toledo. Dass mit seiner Kunstkarriere verdiente Geld investierte er in lokale Initiativen und trug so mit dazu bei, dass Oaxaca heute ein Zentrum der zeitgenössischen Kunst- und Fotografieszene ist. Der Namensgeber Manuel Álvarez Bravo war einer der Pioniere der zeitgenössischen Fotografie in Mexiko. Im CFMAB werden Ausstellungen lokaler und internationaler Fotografen gezeigt. Dazu gibt es ein spannendes Bildungsprogramm aus Kursen und Veranstaltungen.

Publikationen und sprachliche Zugänge

Wie in vielen anderen Ländern der Welt gibt es auch in Mexiko einen boomenden Fotobuchmarkt. Auch wenn kleine Indepentinitiativen immer noch rar gesäht sind, gibt es einige sehr interessante Angebote. Einen guten Überblick geben beispielsweise die Publikationen der „Colección Luz Portatil“ die vom Verlag „Artes de Mexico“ herausgegeben wird. Das international bekannte Fotografiemagazin EXIT wird von einer mexikanisch-spanischen Initiative unter Leitung von Rosa Olivares herausgegeben. Die größte Relevanz für die mexikanische Fotoszene haben jedoch die Publikationen des „Centro de la Imagen“, sowohl die seit 1992 erscheinende, eher wissenschaftlich orientierte Zeitschrift „Luna Cornea“ als auch die seit 2013 existierende Reihe mit Essays über Fotografie.

Cover der Zeitschrift "Luna Cornea" und des Katalogs "Develar y Detonar"

Die Schwierigkeit des Zugangs zur mexikanischen Fotoszene besteht darin, dass sowohl die meisten Institutionen wie auch Publikationen ausschließlich dem spanischsprechenden Publikum offenstehen. Eine Ausnahme stellen Ausstellungskataloge der großen Institutionen dar, die entweder zweisprachig oder in spanischen und englischen Versionen erscheinen. Die Zeitschrift „Luna Cornea“ übersetzt immerhin einen Text jeder Auflage in Englisch. Leider verfügen jedoch selbst zentrale Institutionen wie das „Centro de la Imagen“ nicht über eine englische Version ihrer Webseite.


Die im Text genannten Institutionen sind im Text jeweils direkt verlinkt. Darüber hinaus findet sich auf diesem Blog bereits eine Kurzbibliographie zu mexikanischer Fotografie. Für Twitter-Nutzer bietet sich die Möglichkeit auf meinem Account @FKoltermann die Liste „Photography in Mexico“ zu abonnieren um regelmäßige Updates von den verschiedenen Institutionen zu bekommen. Ein ausführliches Interview mit der Leiterin des „Centro de la Imagen“, Itala Schmelz, über Fotografie in Mexico, erscheint in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift Photonews.

Freitag, 22. April 2016

Aktuelle Artikel aus dem Frühjahr


Fotografie im lokalen Kontext
Der israelische Pressefotografiepreis

Seit vergangenem Spätsommer ist Israel aufgrund einer Welle von Messerattacken palästinensischer Jugendlicher und militärischen Gegenreaktionen der israelischen Armee immer wieder Thema in den internationalen Nachrichtenmedien. Viele andere politische und soziale Geschehnisse in Israel und den besetzten palästinensischen Gebieten schaffen es dagegen nur selten, die Aufmerksamkeit der Medien zu bekommen. Einen Überblick dieser Ereignisse und deren fotojournalistische Darstellung bietet die Ausstellung des israelischen Pressefotografiepreises, die vor Kurzem im Tel Aviver Eretz Israel Museum präsentiert wurde. Die Ausstellung zeigte nicht nur die Vielfalt politischer und sozialer Fragestellungen sowie Konflikte, mit denen Israel konfrontiert wird, sondern auch das Potenzial, über diese mit Hilfe der Fotografie zu erzählen.


Der vollständige Artikel findet sich auf Qantara.
Link zum Festival: www.edutmekomit.


Fotobiennale in Paris
Die arabische Welt im Spiegel der Fotografie

In Zeiten, in denen die mediale Berichterstattung über die arabische Welt auf die politischen Konflikte fokussiert und der politische Diskurs vom Umgang mit der Migration aus der Region geprägt ist, setzt eine Fotobiennale in Paris ein visuelles Zeichen der Vielfalt und Pluralität. Felix Koltermann hat sich die Ausstellungen für Qantara angesehen. Die Ausstellungen liefen bis zum 17. Januar. Auf der Webseite der Biennale werden alle beteiligten Künstler und ihre Arbeiten vorgestellt.

Der vollständige Artikel findet sich auf Qantara.
http://biennalephotomondearabe.com/


Mamilla und der Tower of David

Es ist gibt wohl kaum eine Stadt auf der Welt, in der der öffentliche Raum derart stark von politischen Fragestellungen und Konflikten durchdrungen ist, wie Jerusalem. Nur ein kleiner Teil der damit verbundenen Phänomene ist jedoch auf den ersten Blick sichtbar. Vieles erschließt sich erst dann, wenn man mit aufmerksamem Blick durch die Stadt geht, Fragen stellt und einzelne Puzzleteile zusammensetzt. Am Jerusalemer Stadtviertel Mamilla, das sich zwischen West-Jerusalem und der Altstadt erstreckt, lässt sich beobachten, wie stadtplanerische Entscheidungen den öffentlichen Raum verändern und eine neue visuelle Realität mit großer politischer Strahlkraft schaffen.

Der vollständige Artikel findet sich auf Qantara.


Sinnbilder amerikanischer Landschaft
Stephen Shore bei C/O Berlin

Im Februar wurde in der Berliner Fotografiegalerie C/O Berlin eine Retrospektive der amerikanischen Fotografenlegende Stephen Shore eröffnet. Nach den Ausstellungen mit Sebastiao Salgado und Anton Corbijn im Jahr 2015 beweist die Galerie im Amerikahaus damit ein Mal mehr ein glückliches Händchen dabei, weltbekannte und für die Entwicklung der Fotografie wichtige Fotokünstler nach Berlin zu holen. Der 1947 geborene Stephen Shore gilt als einer der Pioniere der Farbfotografie und hat mit seiner konzeptionellen Arbeitsweise Generationen von Fotografen beeinflusst. Die Ausstellung, noch bis 22. Mai 2016 zu sehen, ist dank einer Kooperation mit der Fundación MAPFRE aus Madrid zu Stande gekommen.

Der vollständige Artikel findet sich beim Neuen Deutschland (Nur über Abo).
www.co-berlin.org
  

Operationen im Verborgenen
Die Ausstellung „Terror Icognitus“ von Edmund Clark

Während US-Präsident Barack Obama im Februar diesen Jahres einen letzten Anlauf gestartet hat, das Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba zu schließen, sind in den letzten Jahren immer mehr Details über das dahinterstehende System illegaler staatlicher Aktivitäten ans Licht gekommen. Ungewöhnliche Einblicke in das Thema bietet die Ausstellung „Terror Incognitus“ des preisgekrönten britischen Künstlers und Fotografen Edmund Clark, die zurzeit im Mannheimer Zephyr – Raum für Fotografie – zu sehen ist.

Der vollständige Artikel findet sich bei der taz.
http://zephyr-mannheim.com/clark-de

Mittwoch, 13. April 2016

Kurzbibliographie Fotografie in Mexiko/Lateinamerika


Wer anfängt, über Fotografie in Lateinamerika und in Mexiko zu recherchieren, der stößt relativ schnell an seine Grenzen. Das Wenige was in Europa zum Thema publiziert wurde, sind vor allem Kataloge von großen Ausstellungen sowie einige Publikationen zu ethnographischen Themen. Wesentlich mehr wurde in Lateinamerika publiziert, wobei der Zugang zu dieser Literatur über das deutsche Bibliothekswesen nicht ganz einfach ist. Untenstehend finden sich zwei Kurzbibliographien zu Fotografie in Lateinamerika und zu Fotografie in Mexiko, die sich gut als Einstieg in den Themenkomplex eignen.




Kurzbibliographie Fotografie in Lateinamerika:

  • Billeter, Erika/Kunsthaus Zürich. (1981): Fotografie Lateinamerika von 1860 bis heute, Bern: Benteli.
  • Carreras, Claudi (Hrsg.) (2011): Labyrinth of Views - Documentary Photography in Latin America, RM Verlag.
  • Cravo Neto, Mario/Rio Branco, Miguel (Hrsg.) (2003): La Mirada - Looking at Photography in Latin America, Oehrli.
  • Fabry, Alexis, et. al. (2013): Urbes mutantes 1941-2012: Latin American photography, Mexico D.F.: RM/Toluca Editions.
  • Fernandez, Horacio (2012): The Latin American Photobook, New York: Aperture.
  • Kraus, Michael/Fischer, Michaela (Hrsg.) (2015): Exploring the archive historical photography from Latin America: the collection of the Ethnologisches Museum Berlin, Berlin: Böhlau.
  • Kummels, Ingrid (Hrsg.) (2012): Espacios mediáticos: Cultura y representación en México, Berlin: Walter Frey.
  • Sayag, Alain (1982): La Photographie contemporaine en Amerique latine, Paris: Centre Georges Pompidou.
  • Schwartz, Marcy E./Tierney-Tello, Mary Beth (2006): Photography and writing in Latin America: double exposures, Albuquerque: University of New Mexico Press.
  • Watriss, Wendy/Zamora, Lois Parkinson (1998): Image and memory : photography from Latin America, 1866-1994 : FotoFest, Austin, Tex.: University of Texas Press.
  • Wolff, Gregor (2015): Explorers and Entrepreneurs behind the Camera: The stories behind the pictures and photographs from the Image Archive of the Ibero-American Institute, Berlin: Ibero-Amerikanisches Institut.


Kurzbibliographie Fotografie in Mexiko:

  • Broda, Ana Casas (Hrsg.) (2015): Develar y detonar, Mexico D.F.: Editorial RM.
  • Castillo, Morales (2015): Luna Cornea No 35 - Viajes al Centro de la Imagen III: Aproximaciones al fotoperiodismo mexicano, Mexico D.F.: Conaculta.
  • del Castillo Troncoso, Alberto (2013): Las mujeres de X'oyep, Mexico D.F.: Centro de la Imagen.
  • Fajardo Tapia, David (2015): Bandidos, Miserables, Facinerosos, Mexico D.F.: Centro de la Imagen.
  • Gallegos, Luis Jorge (2011): Autoretratos del fotoperiodismo mexicano, Mexico D.F.: Fondo de cultura economica.
  • García Krinsky, Emma Cecilia, et. al. (2012): Mujeres detrás de la lente : 100 años de creación fotográfica en México 1910-2010, México, D.F.: Gobierno Federal, Estados Unidos Mexicanos, Dirección General de Publicaciones, CONACULTA.
  • Monsivais, Carlos (2012): Maravillas que son: sombras que fueron, Mexico D.F.: Ediciones Era.
  • Mraz, John (2014): México en sus imágenes, Artes de Mexico y del mundo, Mexico D.F.: Artes de Mexico.
  • N.N. (2012): Fotografía Contemporánea en Oaxaca, Oaxaca: Luna Zeta Ediciones.
  • Sánchez Vigil, Juan Miguel/Zaldua, María Olivera (2009): Fotoperiodismo y República, Mexico D.F.: Ediciones Cátedra.
  • SINAFO (2012): Alquimia No. 46 - 100 fotógrafos contemporáneos en México, Mexico D.F.: INAH.

Gerne nehme ich Hinweise für weitere wichtige Publikationen zu den beiden Themenbereichen entgegen und ergänze die Liste dementsprechend.

Freitag, 8. April 2016

Die Fotografie vom Krieg


Bilder vom Krieg sind leider allgegenwärtig in unseren Medien. In Berlin und Prag sind zurzeit zwei Ausstellungen zu sehen, die ganz verschiedene Zugänge zum Thema Fotografie und Konflikt präsentieren. In der kleinen Berliner Galerie Sprechsaal hat die Wanderausstellung „Warzone Freelance Exhibition“ Premiere. Und im Dox Center for Contemporary Art in Prag wird das Projekt „UPFRONT“ gezeigt, dass vor allem spanischsprachige Kriegsfotografen featured.

Sunni Militia Fighter.jpgOG: Abu Ahmed, a Lebanese Sunni militia sniper prepares with others for possible night attacks against Alawite militias based in the nearby Jabal Mohsen neighborhood on August 30, 2013. Photo by Osie Greenway.
Lokale und internationale Freelancer gehören zu den am meisten gefährdeten und gleichzeitig den am wenigsten bekannten journalistischen Akteuren in Konflikt- und Kriegsregionen. Um auf die prekäre Situation der Freelancer in den Kriegsregionen dieser Welt aufmerksam zu machen, hat sich im vergangenen Jahr die Initiative „War Zone Freelance Exhibition“ gegründet. Angelegt ist das Projekt, das unter anderem vom Berlin Fotojournalisten Benjamin Hiller ins Leben gerufen wurde, als Wanderausstellung durch die Metropolen Europas und der USA.

Thematisch geht es in der Ausstellung vor allem um die Konfliktregionen des Nahen Ostens. Zu sehen sind fotografische Arbeiten sowohl von lokalen als auch von internationalen Freelancern. Mit einer Ausnahme einer Serie von Anne Hertzum Alling sind es vor allem Einzelbilder aus ganz unterschiedlichen Kontexten, die mit ausführlichen Bildunterschriften versehen sind. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Bildern Bewaffneter und Situationen an der Front. Im Hinterraum der Galerie sind verschiedene Videos zu sehen. Dazu gibt es eine Gedenktafel zu Erinnerung an die mehreren Dutzend vor allem lokalen Freelancer, die in den letzten Jahren bei ihrer Arbeit im Nahen Osten ums Leben kamen.

Nach der Premiere in Spanien macht im Praguer Dox Center for Contemporary Art das Ausstellungsprojekt „UPFRONT“ Station. Das mit Unterstützung der spanischen Entwicklungshilfeorganisation AECID ins Leben gerufene Projekt zeigt Arbeiten von 23 spanischsprachigen Kriegsfotografen aus den Konfliktregionen dieser Welt. Darunter sind weltweit bekannte Fotografen wie Pep Bonet von der Agentur NOOR aber auch viele bisher eher unbekannte Namen. Ebenso wie beim Projekt WZF sind es zu einem großen Teil Freelancer die hier ein Forum bekommen.

“And so it is. The photographer ceases to exist. The image stands still and silent,condemned for perpetuity to recall the terrible present days of man.”  Gracia Morales

Die Ausstellung „War Zone Freelance Exhibition“ ist vom 17. März bis 15. April in der Galerie Sprechsaal (Marienstraße 26, 10117 Berlin) zu sehen. Danach geht es weiter auf Europatour. Updates über das Projekt gibt es auf der Facebookpage des Projekts. Im DoxCenter for Contemporary Art läuft die Ausstellung „UPFRONT“ vom 1. April bis zum 23. Mai 2016. Der Katalog zur Ausstellung (ISBN: 9788416142705) ist im Verlag Turner erschienen und es gibt ebenfalls eine eigene Projektwebseite.

Links zu den Ausstellungen:
http://www.sprechsaal.de/
http://www.warzonefreelance.com/
https://www.facebook.com/WarZoneFreelance/
http://www.upfront.es/
http://www.dox.cz/en/exhibitions/upfront-war-photojournalists

Mittwoch, 6. April 2016

Fotografische Flussreise in Mexiko


Mexiko ist eines der größten Länder Lateinamerikas mit einer sehr reichhaltigen Naturlandschaft. Dem Aspekt des Wassers und der Flüsse hat sich der mexikanische Dokumentarfotograf Eniac Martinez angenommen. Die dazugehörige Ausstellung „Rios“ ist zurzeit im Fotografiemuseum „Centro de la Imagen“ in Mexiko Stadt zu sehen.

Blick in die Ausstellung im "Centro de la Imagen"
Es sind Bilder von großer Schönheit und hoher dokumentarischer Qualität und Tiefe die Eniac Martinez bei zahlreichen Reisen durch Mexiko entlang verschiedener Flußläufe zusammengetragen hat. Er zeigt auf, wie vielfältig die Nutzung der natürlichen Flußläufe ist: Menschen beim Spielen und Waschen im Fluss sowie die Nutzung für Transport und Freizeitaktivitäten. Er zeigt aber auch die Naturgewalt in Form und Überschwemmungen auf und legt auf eindrucksvolle Art und Weise das Problem der Gewässerverschmutzung offen.

Die Ausstellung im „Centro de la Imagen“ ist sehr umfangreich und besteht aus Dutzenden Fotografien die Martinez seit 2010 zusammengetragen hat. Es ist eine Mischung aus Schwarzweiß- und Farbfotografien, in unterschiedlichen Formaten, die jeweils den dargestellten Themen angepasst sind. Details sowie Übersichten geben ganz unterschiedliche Einblicke. Auf Bildunterschriften wird verzichtet, aber die Bilder sind zum Großteil selbsterklärend.

Blick in die Ausstellung im "Centro de la Imagen"
Eniac Martinez, Jahrgang 1959, ist einer der wichtigsten Dokumentarfotografen des Landes. Einen Namen gemacht hat er sich über aufwendige dokumentarische Projekte wie z.B. über die Mixteken in Mexiko. Für die Leiterin des Centro de la Imagen, Itala Schmelz, überzeugte an seiner aktuellen Arbeit vor allem, dass dahinter ein Blick mit großer Autorenschaft steht, der weit über klassische fotojournalistische Positionen hinausgeht.


Zum Projekt „Rios“ gibt es eine eigene Webseite, auf der die gesamte Arbeit präsentiert wird. Zur Ausstellung gibt es des Weiteren einen kleinen Guide (auf Spanisch) der über die Webseite des „Centro de la Imagen“ beziehen ist. Weitere Projekte von Eniac Martinez sind über seine Webseite einzusehen. Die Ausstellung im „Centro de laImagen“ läuft noch bis zum 10. Juli 2016.

Links zur Ausstellung:
http://eniacmartinez-rios.com/
http://www.eniacmartinez.com/
http://centrodelaimagen.cultura.gob.mx/centro-de-la-imagen/exposiciones/2016/rios.html
http://centrodelaimagen.cultura.gob.mx/centro-de-la-imagen/exposiciones/2016/rios/guia-rios.pdf
http://www.fundacionpedromeyer.com/china/emartinez/index.html

Donnerstag, 10. März 2016

Verwässerung der Dokumentarfotografie


Darüber, was dokumentarische Fotografie bedeutet und was nicht, lässt sich mithin trefflich streiten. Während für die einen dazu nur Arbeiten zählen, die einen klaren fotojournalistischen Anspruch haben, der Eingriffe in das Geschehen vor der Kamera ausschließt, sind für andere damit auch Arbeiten möglich, die einen klaren inszenatorischen Charakter haben oder beispielsweise mit „Found Footage“ arbeiten. Ein gutes Beispiel, wie weit die Grenzen des Dokumentarischen in der zeitgenössischen Fotografie gezogen werden, zeigt die Ausstellung der Gewinner des Dokumentarfotografie-Förderpreises aus dem Jahr 2013 der Wüstenrot Stiftung, die zur Zeit im Photomuseum Braunschweig zu sehen ist.

Der Dokumentarfotografie-Förderpreis der Wüstenrot Stiftung ist einer der wenigen Foren in Deutschland, in denen dokumentarische Fotografie prämiert wird. Andere Preise die einen ähnlichen Rahmen abdecken, sind der Freelens Award oder der N-Ost Recherchepreis. Beide existieren jedoch nicht annähernd so lange und haben nicht ein solches Prestige wie der Preis der Wüstenrot Stiftung. Darüber hinaus ist der Preis anders als die anderen beiden thematisch offen und verfügt über keine Altersbegrenzung. Vergeben wird er alle zwei Jahre, zuletzt im Herbst 2015. Aktuell tourt jedoch die Ausstellung des 10. Jahrgangs, vergeben im Jahr 2013, durch Deutschland.

Gewinner des Preises im Jahr 2013 waren vier Fotograf_innen, die alle ganz unterschiedliche Ansätze und Themen verfolgten. Birte Kaufmann reüssierte mit der dokumentarischen Serie „The Travellers“ über eine kleine Gemeinschaft von Iren die in Tradition der Wanderhandwerker in provisorischen Wohnwagen und Unterkünften leben. Sara-Lena Maierhofer überzeugte die Jury mit einer künstlerisch-konzeptionellen Arbeit über den italienischen Medienmogul Silvio Berlusconi unter dem Titel „The Great“. Arne Schmitt gewann mit Auszügen aus seinem Buch „Die neue Ungleichheit“, einem in Schwarz-Weiß gehaltenen Bildband über neoliberale Architekturen in Köln. Kalouna Toulakoun überzeugte mit der Arbeit „In der Erwartung großer Stürme“, für die er die Spuren seiner laotischen Familie auf der ganzen Welt verfolgt.

Das Feld des Dokumentarischen wird in diesen vier Arbeiten sehr weit aufgespannt. Was die Bildsprache angeht, so steht nur noch die Arbeit von Kaufmann in einer klassischen dokumentarischen Tradition. Toulakoun sucht bereits nach anderen Bildformen und bezieht sehr stark das Umfeld und Gegenstände der von ihm porträtierten mit ein. Umgekehrt gibt es bei Kaufmann keinerlei Bildunterschriften und damit keine Möglichkeit, die einzelnen Bilder bestimmten Orten zuzuordnen und zu erfahren, wer die Abgebildeten sind, während Toulakoun zu jedem Bild eine ausführliche Bildunterschrift präsentiert.

Mit dem Fokus auf einen konzeptionellen Ansatz bewegt sich Arne Schmitt bereits am Rande der dokumentarischen Fotografie. Verstärkt wird dies noch durch eine eher essayistische Präsentationsform, die aus thematischen Tafeln mit drei Bildern und kurzen Texten besteht. Die Grenze ausgereizt bzw. überschritten hat Sara-Lena Maierhofer. Bei ihr ist nicht ein Mal erkennbar, welche Fotografien von ihr stammen bzw. welche Found-Footage sind. Man kann höchstens Vermutungen anstellen. Darüber hinaus sind die Bilder auf eine Art und Weise im Raum angeordnet, dass sie eine Stimmung zum Titel „The Great“ erzeugen sollen. Die einzelnen Fotografien zeichnen sich dabei durch einen großen Grad an Abstraktion aus.

Der Blick auf das Verständnis des Dokumentarischen beim Dokumentarfotografie-Förderpreis ist insofern wichtig, als dass Preise in der Szene eine stillbildende (Vorbild-) Funktion vor allem für jungen Fotograf_innen haben. Die hier skizzierten Beobachtungen reihen sich ein in Tendenzen in der zeitgenössischen Fotografie, den Begriff des Dokumentarischen zu verwässern. Damit ist meiner Ansicht nach die Gefahr verbunden, dass er zur Beliebigkeit verkommt und vor allem sein dokumentarischer und soziopolitischer Anspruch, gesellschaftliche Realitäten über authentische Bilder zu vermitteln, Schaden nehmen könnte. Keineswegs soll damit die Qualität der einzelnen Arbeiten kritisiert werden, die jede für sich ihren Wert haben, jedoch vielleicht besser in einem Kunst-Kontext aufgehoben wären.

Die Ausstellung ist noch bis zum 3. April 2016 im Photomuseum Braunschweig zu sehen. Die Gewinnerbilder sind auch in einem Katalog vertreten, der über die Wüstenrotstiftung zu beziehen ist.

Mittwoch, 2. März 2016

Back Stories – Krieg und Gewalt in Fotobuch und Graphic Novel


Am 3. März werde ich zusammen mit Michaela Zöhrer von der Universität Augsburg in Bonn eine Workshopeinheit in Form einer Fishbowl-Diskussion zum Thema „Krieg und Gewalt in Fotobuch und Graphic Novel“ anbieten.

Bilder von Krieg sind in Nachrichtenmedien und sozialen Netzwerken allgegenwärtig.
Dabei ist die bildnerische Darstellung von Konflikten in den Massenmedien meist
ereigniszentriert und fokussiert auf Gewalt und Leid. Vor allem in den sozialen Medien halten zudem zunehmend Bilder von Amateuren Einzug. Grundsätzlich ist somit eine Tendenz zur Verbreitung von visuellen Informationen in Echtzeit zu beobachten. Alternative, vor allem zeitintensivere Darstellungsformen von Konflikt und Gewalt sowie visuelle Hintergrundberichterstattung haben es vor diesem Hintergrund schwer, sich in Massenmedien und sozialen Netzwerken durchzusetzen. Aus diesem Grund weichen Produzenten zunehmend auf andere Formate wie das Fotobuch oder die Graphic Novel aus.

Das Medium Fotobuch wird von Fotojournalisten vor allem dann gewählt, wenn es um die Präsentation umfangreicher Projekte geht. Der Vorteil besteht darin, dass anders als in journalistischen Medien die Kontrolle über das Produkt vollständig beim
Fotojournalisten liegt. Im vergangen Jahr sorgte das Buch „War Porn“ des deutschen
Fotojournalisten Cristoph Bangert für Aufruhr. Er publizierte darin Kriegsbilder, die von den Redaktionen abgelehnt worden waren. Der Schweizer Fotograf Meinrad Schade hingegen hat sich auf eine Spurensuche am Rande des Krieges in der ehemaligen Sowjetunion begeben, die er unter dem Titel „Krieg ohne Krieg“ publiziert hat. Während das Schades Arbeit ein Beispiel für eine dokumentarische Arbeit ist, hat Bangerts Arbeit vor allem einen selbstreflexiven, medienkritischen Fokus.

Auch Graphic Novels widmen sich unter Rückgriff auf die gestalterischen Mittel des
Mediums Comic immer häufiger den Themen Krieg und Gewalt. Zugerechnet werden
diese Graphic Novels dem „Comics Journalism“ bzw. „Graphic Reporting“, womit deren Nähe zum klassischen Journalismus angesprochen ist. Denn geht es bei diesen Comics nicht um Superheldengeschichten, sondern um die Recherche und Darstellung „wahrer Begebenheiten“. Besonders bekannt sind die Arbeiten des Comiczeichners Joe Sacco, bspw. „Palestine“ (dt.: Palästina), „Safe Area Gorazde“ (dt.: Bosnien) oder „Footnotes in Gaza“ (dt. Gaza). In allen diesen Bänden bilden Saccos Recherche-Aufenthalte vor Ort das Hauptnarrativ, das jeweils durchflochten wird von Augenzeugenberichten und dokumentierenden Einschüben, mit Hilfe derer zurückliegende Kriegsereignissen und Krisensituationen nachgezeichnet werden.

In einem dialogischen Gespräch in Form einer Fishbowl werden Felix Koltermann und Michaela Zöhrer verschiedene Comics und Fotobücher vorstellen. Ziel ist es, das Potential dieser Darstellungsformen zu eruieren, Krieg und Gewalt abseits tagesaktueller und ereigniszentrierter Berichterstattung sichtbar zu machen. Felix Koltermann wird Michaela Zöhrer über ihre Auswahl von Graphic Novels befragen, und umgekehrt Michaela Zöhrer Felix Koltermann zu den Fotobüchern. Ein weiterer Platz in der Mitte der Fishbowl ist für Gäste reserviert, die zu jedem Zeitpunkt in das Gespräch einsteigen können. Ergänzt wird die Diskussion durch einen umfangreichen Büchertisch, an dem weitere Beispiele ausliegen und eine Anregung zur vertieften Beschäftigung mit dem jeweiligen Medium bieten sollen.

Der Workshop ist Teil der Konferenz „Making the invisible visible“ des Arbeitskreises junger Wissenschaftler_innen der Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung e.V. (AFK) die am 2. und 3. März 2016 am Gustav-Stresemann-Institut in Bonn stattfindet. Bei Interesse kann das Format abgewandelt auch als Abendveranstaltung angeboten werden.