Freitag, 27. Januar 2017

Aktuelle Artikel aus dem Winter

Anbei findet sich eine kleine Übersicht mit Artikeln, die im Winter 2016 von mir in verschiedenen Medien veröffentlicht wurden.


Eine Antwort auf die publizistische Krise?

Vermutlich waren noch nie so viele Fotobücher im Umlauf wie heute. Zumindest für diesen Bereich der gedruckten Fotografie kann also keinesfalls mehr von einer Krise, sondern eher von einer neuen Aufbruchsstimmung gesprochen werden. Teil der damit verbundenen, neuen Fotobuch-Euphorie sind Projekte, die sich dem Sammeln, Bewahren und Zeigen unterschiedlichster Formen von Fotobüchern verschrieben haben. Eines der bekanntesten Projekte ist Self Publish Be Happy aus London. Mit dem Gründer des Projekts, Bruno Ceschel, sprach Felix Koltermann auf den EMOP Opening Days im Oktober in Berlin.

Erschienen in der Ausgabe 12/16-1/17 der Zeitschrift Photonews.


Offene und versteckte Landnahmen

Wenn es der israelisch-palästinensische Konflikt in die deutschen Medien schafft, dann meist in Bezug auf militärische Eskalationen, Terroranschläge in Israel oder humanitäre Krisen im Gazastreifen. Nur selten stehen die Auswirkungen des Konflikts auf die geographischen Gegebenheiten und den urbanen Raum im Fokus. Wenn dieser Aspekt thematisiert wird, dann meist in reduzierter Form in Bezug auf die illegalen israelischen Siedlungen in der Westbank. Wie komplex das Thema Land in Bezug auf den israelisch-palästinensischen Konflikt tatsächlich ist, macht ein neuer Bildband des walisischen Fotografen James Morris deutlich.

Erschienen am 10. Oktober 2016 im Neuen Deutschland.


Schon entdeckt? emerge

Je stärker die Medienkrise klassische Printmedien vor allem aus dem Magazinbereich beutelt, einst die Cashcows und Aushängeschilder der Fotojournalisten, umso interessanter werden für den Fotojournalismus neue Publikationsforen vor allem im Internet. In diesem Zusammenhang hat sich die Onlineplattform „emerge“ zur Förderung des jungen Fotojournalismus weit über die Szene hinaus einen Namen gemacht. In Form eines Webmagazins und mittlerweile auch eines ersten Printmagazins werden jungen Fotograf_innen dort Raum zur Veröffentlichung sowie eine Plattform geboten – auch um ihnen den Berufseinstieg zu erleichtern.

Der komplette Text ist bei M Online einsehbar.


Die türkische Agentur Anadolu und das Putsch-Narrativ

Anfang August hat die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu aus der Türkei die Broschüre „Feto’s Coup Attempt in Turkey – A Timeline“ veröffentlicht. Auf knapp 90 Seiten werden darin die Ereignisse des Putschversuchs vom 15. Juli 2016 nacherzählt, internationale Reaktionen vorgestellt und Hintergrundinformationen geliefert. Spannend an der Broschüre sind die Rahmung der Ereignisse und das Putschnarrativ, das hier aufgebaut wird. Die Broschüre wird international vertrieben oder auf internationalen Festivals wie „Visa pour l’Image“ auch kostenlos verteilt.

Der komplette Text ist bei M Online einsehbar.

Donnerstag, 26. Januar 2017

Der Film BilderKrieg


Wenn wir als Medienkonsumenten Fotografien aus Kriegs- und Krisenregionen zu sehen bekommen, so sehen wir beim Blick in eine Zeitung oder ein Magazin das Endprodukt eines komplexen Produktions- und Redaktionsprozesses. Neben der wissenschaftlichen und medienkritischen Beschäftigung mit medialen Produktionsprozessen ist eine andere Möglichkeit, hinter die Kulissen zu blicken, das Begleiten einzelner Akteure durch den Dokumentarfilm.

Der deutsche Dokumentarfilmer Konstantin Flemig hat dies zum Thema seiner Abschlussarbeit an der Filmakademie Baden-Württemberg gemacht und in Zusammenarbeit mit dem SWR und der Produktionsfirma Eikon Südwest den Film "BilderKrieg" produziert. Im Mittelpunkt steht der deutsche Fotojournalist Benjamin Hiller, der sich vor allem aufgrund seiner fotografischen Dokumentation der Kurden einen Namen gemacht hat. Flemig und sein Team begleiteten Hiller auf Reisen nach Syrien, in den Irak und nach Ruanda und haben ein vielschichtiges Porträt der fotojournalistischen Arbeit eines jungen Fotografen angefertigt.

Der Protagonist Benjamin Hiller ist auch einer der Gründer der Netzwerks "Warzone Freelance", das in diesem Jahr mit einer Ausstellung in Berlin zu Gast war. Der Regisseur hat das Thema Kriegsjournalismus auch aus anderen Perspektiven bearbeitet. So drehte er einen Film über den Journalistenlehrgang beim Ausbildungszentrum der Vereinten Nationen in Hammelburg. Zur Motivation, diesen Film über Kriegsfotografie zu produzieren, sagte Konstantin Flemig:

"In meiner Wohnung hängt ein gerahmter Zeitungsausschnitt aus dem Jahr 2002. Es ist die Rede davon, dass der Krieg im Kongo mittlerweile zwischen 3 und 5 Millionen Menschenleben gekostet hat – da aber zu jener Zeit der Irak im Zentrum des öffentlichen Interesses stand, mussten sich die Toten mit einer zehn Zeilen langen Randnotiz begnügen. Seit dieser Meldung wollte ich wissen, wieso einige Geschichten von Krieg und Elend auf großes mediales Interesse stoßen, während andere völlig untergehen. Daraus entwickelte sich mein Wunsch, selbst Journalist zu werden, und letzten Endes Dokumentarfilmer in Kriegs- und Krisengebieten."

Man darf gespannt sein, wie der junge Regisseur das Thema in seiner Dokumentation verarbeitet. Der Film erfährt am 16. November um 23:30 im SWR seine Erstausstrahlung in der Reihe "Junger Dokumentarfilm".

http://www.swr.de/junger-dokumentarfilm/junger-dokfilm-2016-bilderkrieg/-/id=100850/did=17620964/nid=100850/mmgbko/index.html

http://www.swr.de/junger-dokumentarfilm/junger-dokfilm-2016-bilderkrieg/-/id=100850/did=17620964/nid=100850/mmgbko/index.html

http://www.warzonefreelance.com

http://www.konstantinflemig.com/portraits

Mittwoch, 12. Oktober 2016

Eine neue Art der Kriegsfotografie


Der deutsche Fotograf Christoph Bangert fotografierte in Krisenländern wie Afghanistan, Pakistan und dem Irak. 2014 hat er mit seinem Fotoband "War Porn" für Aufsehen gesorgt. Darin zeigte der deutsche Fotograf Bilder, die den meisten Redaktionen zu drastisch waren, um sie zu veröffentlichen. Jetzt hat Bangert im Frühsommer mit einem zweiten Fotobuch nachgelegt.

Die Badische Zeitung schreibt folgendes über das neue Buch:

"Der Kölner Fotograf Christoph Bangert liebt abstruse Bilder. Bangert, der als Kriegsreporter im Auftrag der New York Times, des Stern und der Neuen Zürcher Zeitung in den Spannungsgebieten des nahen Ostens, im Irak oder in Afghanistan unterwegs war, fand an den Schauplätzen der Gewalt auch allerlei Kurioses."


Bei Spiegel Online wird der Band folgendermaßen kommentiert:

"Es gibt keine guten Seiten von Krieg, erst recht keine lustigen. Keine Pointe. Doch so einfach lässt sich das Narrativ nicht in Gut und Böse teilen, nicht in Täter und Opfer, und auch nicht in Leid und Glück. Trotz des Horrors gehören auch absurde Momente zur Realität der Soldaten im Irak und in Afghanistan"


In einem Text der Deutschen Presse-Agentur der in verschiedenen Tageszeitungen wie die Welt oder Augsburger Allgemeine veröffentlicht wurde heißt es:

"Mit seinen Bildern ruft er sich auch selbst vergessene Momente zurück in Erinnerung. Und sorgt dafür, dass sie auch von anderen erinnert werden. Sein Wunsch: Die Bilder irgendwann im Irak auszustellen, eine Party zu feiern, wenn dort das normale Leben wieder Überhand gewinnt. «Denn nirgendwo ist immer Krieg.»"


Über das Betrachten von Bangerts Bildern im Fotobuch sagt Sigrid Fischer in Corso beim Deutschlandfunk:

"hello camel" ist ein Ergebnis dieses Abenteuertrips von Christoph Bangert, so heißt sein neuer Fotoband, im Kehrer Verlag erschienen, sehr schön gestaltetes Buch mit tollem Einband. Und, ja, die Fotos dort zu sehen ist noch mal ein ganz anderer Effekt als sie im Internet zu sehen, da hat man natürlich auch Fotos, auf Ihrer Seite, aber das kann man nicht vergleichen."



Auf die Frage von Hendrik Haßel in einem Interview mit der Wochenzeitung "Freitag" wie er zum Begriff des Kriegsfotografen stehe, antwortete Christoph Bangert:

"Wenn man von Kriegsfotografen spricht, wird es sehr schnell emotional. Man wird dann zum Helden gemacht, der die Welt rettet und Kriege beendet. Das finde ich völlig überzogen."


Ein weiteres aufschlußreiches Interview mit Christoph Bangert führte Gesa Ufer für Deutschlandradio Kultur.


Ausstellung zu "Hello Camel"

Parallel zum Erscheinen des Buches war im Juni diesen Jahres zum ersten Mal auch eine Ausstellung mit Bangerts Bildern in der Freelens Galerie Hamburg zu sehen. Im September/Oktober war die Ausstellung in Bangerts Heimatstadt Köln zu Gast, ab Mitte Oktober ist sie im Kunstmuseum Singen zu sehen. Weitere Ausstellungstermine finden sich auf der Homepage von Christoph Bangert.


Das Hamburger Abendblatt führte folgendermaßen in die Ausstellung ein:

"Krieg ist schmutzig, blutig, bedeutet unvorstellbares Leid. Zuletzt erregte der Fotojournalist Christoph Bangert Aufsehen mit seiner Fotoserie "War Porn" (Kriegsporno), in der Gewalt, Tod und Zerstörung sehr präsent waren. In der Galerie Freelens ist nun eine andere, distanziertere Art seiner Kriegsfotografie zu sehen."


Der NDR hob in seiner Rezension eher auf das Umfeld der Präsentation und die Stimmung während der Vernissage ab und stellte dies in Zusammenhang mit dem Ausstellungsthema:

"Er will den Krieg so zeigen, wie wir ihn nicht zu sehen kriegen. Das absurdeste Bild des Abends war dann doch die Szenerie selbst. Menschen, die sich bei einem Glas Wein und angeregten Gesprächen Bilder von Menschen anschauen, die mit dem Krieg weiterleben. Auch das zählt zur Realität des Krieges, dass wir das Glück haben, ihn aus der Ferne zu betrachten, statt selbst zu erleben."


Eine ausführliche Bildergalerie zu "Hello Camel" hat der WDR veröffentlicht. Dort lässt sich gut ein Eindruck von Bangerts Fotografie erhalten. Erschienen ist das Buch wie bereits der Vorgänger "War Porn" im Kehrer Verlag (ISBN: 978-3-86828-683-0, 39,90 Euro). Bei Interesse ist das Buch auch direkt bei Christoph Bangert zu beziehen.

Dienstag, 4. Oktober 2016

Ein Rückblick auf WarOnWall


Dieser Tage geht die Ausstellung WarOnWall auf der Berliner East Side Gallery zu Ende, einem der letzten erhaltenen Teilstücke der Berliner Mauer. Damit hat der Berliner Fotograf Kai Wiedenhöfer nach seinem Projekt "WallOnWall" erneut in beeindruckender Weise den öffentlicher Raum der Hauptstadt mit dokumentarischer Fotografie bespielt und dem Syrienkrieg ein visuelles Denkmal gesetzt. Das Projekt bekam in den vergangenen Monaten ein relativ breites Medienecho, auf das an dieser Stell der Blick gelenkt werden soll.



Meine Rezension der Ausstellung im Neuen Deutschland startet mit den Worten: 

"Es ist schon beeindruckend: auf 360 Metern hat der Berliner Dokumentarfotograf Kai Wiedenhöfer das zur Spree weisende Reststück der Berliner Mauer an der East Side Gallery in Friedrichshain mit Bildern aus dem Syrienkrieg bestückt."

Über die Zielsetzung der Ausstellung und Kai Wiedenhöfers Motivation schrieb ich auf Qantara.de:

"Kai Wiedenhöfer will die Medienkonsumenten mit einem anderen Bild aus Syrien konfrontieren, wie sie es aus der alltäglichen Berichterstattung nicht gewohnt sind und ihre klassischen Sehgewohnheiten herausfordern"

In der Süddeutschen Zeitung schreibt Hannah Beitz über den Ort der Ausstellung:

"Eine verstörende Wirkung haben diese Bilder gerade an diesem Ort im Berliner Ausgehviertel Friedrichshain, den Touristen für leicht verdauliche Portionen deutscher Geschichte gepaart mit friedlicher Kiffer-Idylle an der Spree besuchen."

Sabine Vogel schrieb in der Berliner Zeitung über die Wirkung von Wiedenhöfers Bildern:

"Sie sind ein Appell: Denn Krieg, Geschichte, Politik sind keine Naturkatastrophen oder göttliche Strafen, alles ist menschengemacht kann durch politische Maßnahmen geändert werden".

Auf Al Jazeera Online beschäftigt sich Gouri Sharma mit der Beziehung der Ausstellung zur Geschichte Berlins:

"The images are not dissimilar to what Berlin would have looked like after World War II - a link Wiedenhofer mentions - and could help put the conflict in context for a European audience."

Im Teckbote, der Zeitungs aus Wiedenhöfers Heimatregion schreibt Katja Eisenhardt:

"Es geschehen Dinge, mit denen wir umgehen müssen. Wir leben in keiner Isolation“, sagt der Fotograf. Auch er persönlich habe durch die unmittelbare Konfrontation gelernt, wieder das mehr zu schätzen, was man eigentlich hat – sei es materiell oder die Freiheit selbst."


Ein spannender Videobeitrag der gut die visuellen Eindrücke eines Besuchs Open-Air Ausstellung wiedergibt stammt von Christina-Maria Küfner (DW). Und einen schönen Audiobeitrag zum Besuch an der Westsidegallery gibt es beim Inforadio des RBB.
Ein weiterer kurzer Videobeitrag der Druckerei, die die riesigen Plakate zur Verfügung stellte, gibt einen tollen visuellen Eindruck der Dimension der Ausstellung.


Verbunden mit der Ausstellung läuft auch eine Spendenkampagne für die von Kai Wiedenhöfer porträtierten Opfer des Syrienkriegs in Kooperation mit der Stern-Stiftung. Der Katalog zur Ausstellung ist im Verlag Kettler unter dem Titel „Syrian Collateral“ erschienen (ISBN: 978-3-86206-588-2, 25 Euro). Auf der Projektwebseite www.waronwall.org sind die Bilder ebenfalls zugänglich.

Montag, 19. September 2016

Aktuelle Artikel aus dem Sommer


Anbei findet sich eine kleine Übersicht mit Artikeln, die im Sommer 2016 von mir in verschiedenen Medien veröffentlicht wurden.


War Zone Freelance Exhibition in Berlin

Lokale und internationale Freelancer gehören zu den am meisten gefährdeten und gleichzeitig den am wenigsten bekannten journalistischen Akteuren in Konflikt- und Kriegsregionen. Um auf ihre Situation aufmerksam zu machen und ihre Bilder und Geschichten einer breiten Öffentlichkeit zu zeigen, haben vier internationale Fotografen im vergangenen Jahr das Projekt „War Zone Freelance Exhibition“ ins Leben gerufen, das im März und April 2016 im Berliner Sprechsaal Station gemacht hat.

Der komplette Artikel findet sich auf "Menschen machen Medien".


"WARonWALL" auf der Berliner Mauer
Interview mit dem Fotografen Kai Wiedenhöfer

Der Berliner Kai Wiedenhöfer ist einer der bekanntesten deutschen Dokumentarfotografen. Schwerpunkt seiner fotografischen Tätigkeit ist der Nahe Osten. Im Laufe seiner fast 25-jährigen Karriere hat sich seine Bildsprache von einem klassischen dokumentarischen Schwarz-Weiß-Stil hin zu einer konzeptionell-dokumentarischen Farbfotografie entwickelt. Davon ist auch sein aktuelles Projekt „40 out of one million“ geprägt, in dem er sich mit den Folgen des syrischen Bürgerkriegs beschäftigt, und dass er zwischen Juni und August dieses Jahres unter dem Titel „WARonWALL“ auf einem Teilstück der Mauer in Berlin Kreuzberg präsentieren wird.

Das Interview findet sich in der Juni-Ausgabe der Photonews.


Inmitten des Krieges
Rezension zur Ausstellung "WarOnWall"

Aufgrund der umfassenden Berichterstattung über die aktuellen Ereignisse rund um Aleppo war der Syrienkrieg in der letzten Zeit wieder erstaunlich präsent in Deutschland und den hiesigen Medien. Noch stärker ist die Präsenz des Konflikts zurzeit in Berlin zu spüren, wo der Fotograf Kai Wiedenhöfer seine Arbeiten aus der Region auf die Überreste der Berliner Mauer plakatiert hat. Es ist eine der größten touristischen Attraktionen Berlins: Die sogenannte East-Side-Gallery, das größte noch zusammenhängende Teilstück der einstiegen Berliner Mauer, die hier darüber hinaus auf beiden Seiten mit bunten Graffiti verschönert wurde.

Der vollständige Artikel findet sich auf Qantara.
Das Projekt ist auch im Internet über eine eigene Webseite zugänglich.


Für und Wider eines Bilderverbotes
Ein Kommentar zur Debatte um Bilderverbote

Ausgehend von der Ankündigung der französischen Tageszeitung Le Monde, im Nachgang des Attentats von Nizza keine Bilder der Attentäter mehr zu veröffentlichen, um eine Heroisierung der Tat und der Täter zu verhindern, ist in den deutschen und europäischen Feuilletons eine Debatte über das Für und Wider eines Bilderverbots entbrannt. Mir erscheint es verkürzt, eine Debatte um die Abstinenz von Bildern nach Terroranschlägen zu führen, ohne ein größeres Panorama aufzufalten und die Mechanismen und Strukturen des Krisenjournalismus als Ganzes zu betrachten.

Der komplette Text findet sich auf "Menschen machen Medien".


„Wir wollen dazu anregen, über das Jetzt nachzudenken“
Interview mit der Itala Schmelz

Mexiko-Stadt ist nicht nur eine der größten Städte der Welt und Hauptstadt eines der größten und wichtigsten Länder Lateinamerikas, sondern auch ein Ort mit einer erstaunlich lebendigen und vielseitigen Fotografiezene. Eine der wichtigsten Institutionen im Bereich der Fotografie – und eine Oase der Ruhe und Reflexion inmitten des chaotischen Stadtzentrums – ist das 1994 gegründete staatliche „Centro de la Imagen“. Ich habe mit der Leiterin der Institution, der Kunstwissenschaftlerin Itala Schmelz, über die Ausrichtung des Hauses, die mexikanische Fotoszene und die Identitätsfindung in einer globalisierten Welt gesprochen.

Das komplette Interview findet sich in der Juli/August Ausgabe der Photonews.


Das Mekka des Fotojournalismus
Ein Besuch in Perpignan

Jedes Jahr Anfang September pilgern Hunderte von Fotojournalisten zum Festival "Visa pour l'Image" im südfranzösischen Perpignan. Das seit 1989 stattfindende Festival ist während der "Professional Week" einer der wichtigsten Treffpunkte für die internationale Fotojournalismusszene. Neben einem guten Dutzend Ausstellungen internationaler Fotografen gibt es Portfolioreviews, Diskussionsrunden, Fotografenvorträge und abendliche Projektionen. Felix Koltermann hat das Festival für MMM besucht.

Der komplette Text ist bei "Menschen machen Medien" einsehbar.


Freitag, 9. September 2016

Fotografie und Fotojournalismus in Frankreich


Trotz der globalen bzw. transnationalen Ausrichtung des Fotojournalismus hat das Gewerbe nationale Besonderheiten, vor allem was die jeweiligen Organisationen sowie spezifische Medien angeht. Meinen Recherchen beim Besuch Anfang des Monats auf dem französischen Fotofestival "Visa pour l'Image" in Perpignan möchte ich zum Anlass nehmen, den Blick auf den Fotojournalismus in Frankreich zu richten und einige Magazine, Organisationen und Festivals vorzustellen. 
 



Aufgrund der großen Frustration angesichts der zunehmenden Prekarisierung im Fotojournalismus und der Untätigkeit der französischen Politik dieser gegenüber, veröffentlichten verschiedene französische Organisationen auf dem diesjährigen Festival in Perpignan das Manifest "5 ans, 3 ministres, 0 mesures". Dort fordern sie unter anderem einen Mindestlohn für Freelancer, einen Verhaltenskodex für Redaktionen zum Umgang mit Fotografen sowie eine Verbesserung der Vertragsbedingungen. Das Manifest folgte auf einen Report zum Zustand des Fotojournalismus in Frankreich, der im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde.

Der von der Organisation SCAM veröffentliche Bericht "Photojournaliste: Une profession sacrifié" beinhaltet einige interessante Informationen. So wurde darin grundsätzlich erst einmal davon ausgegangen, dass nicht der Fotojournalismus, sondern das Businessmodell des Fotojournalismus in der Krise steckt. Als Ursachen wurden vor allem die Ökonomisierung der Branche und die Bestrebungen zur Gewinnmaximierung der Verlagseigentümer genannt.

Interessant im Report sind bspw. auch die Zahlen zu den französischen Fotoreportern die über einen Presseausweis verfügen. Zwischen 2001 und 2014 ist ihre Zahl von 1457 auf 816 zurückgegangen. Der Hintergrund sind die strengen und veralteten Regeln zum Erhalt eines Presseausweises die verlangen, dass die Fotoreporter über 50% ihres Einkommens mit Publikationen in der französischen Presse verdienen. Anders als in Deutschland bekommen damit auch Werbe- und Porträtfotografen keine Presseausweise. Die Regeln zum Erhalt des Presseausweises den Realitäten anzupassen und z.B. auch das Arbeiten für ausländische Medien oder den Erhalt von Stipendien anzuerkennen, ist ebenfalls eine Forderung der Unterzeichner des Manifests.

Französische Standesorganisationen

Die Unterzeichner des Manifestes geben auch einen guten Überblick über die wichtigsten Standesorganisationen der Fotografie in Frankreich. Als Initiator trat die Organisation SCAM auf, die ähnlich wie die VG Bildkunst in Deutschland als Rechteverwerter auftritt. Dies gilt auch für die Organisation SAIF. Während die SAIF stärker bildorientiert ist, liegen die Wurzeln der SCAM eher in der Verwertung von Textrechten. Über die Öffnung hin zu Multimedia ist jedoch auch der Bereich Bild dazugekommen. Auch drei Fotografen- bzw. Journalistengewerkschaften waren dabei, die UPP, die SNJ sowie die SNJ-CGT.

Die "Union desPhotographs Professionell" (UPP) ist die größte französische Fotografenorganisation, die alle Arten von Fotografen vertritt, vom Fotojournalismus, die Kunst bis hin zum Handwerk. Fotojournalisten machen jedoch nur einen kleinen Teil ihrer Mitglieder aus. Ähnliches gilt für die beiden Journalistengewerkschaften Société Nationale des Journalistes (SNJ) sowie die Untergruppe Journalismus der CGT. Nicht zu den Unterzeichnern gehörte der französische Freelancerverband Freelens. Der Verband, der ein Namensvetter der deutschen Organisation Freelens ist, dümpelt jedoch in der Bedeutungslosigkeit vor sich hin, da er nie eine kritische Masse von Mitgliedern erreichte.

Der französische Bildermarkt

Der größte und wichtigste Akteur auf dem französischen Bildermarkt ist der Bilderdienst der staatlichen Nachrichtenagentur Agence France Presse (AFP). Weitere wichtige Bild- und Fotografenagenturen sind SIPA Press, Agence Vu und Cosmos. Im Zuge der Konzentrationsbewegungen auf dem Bildermarkt sind in den letzten Jahren jedoch auch einige Agenturen wie bspw. Gamma vom Markt verschwunden bzw. wurden in andere Agenturen integriert. Eine recht neue Agentur, die in den Händen von Fotografen ist, nennt sich MYOP und war auch in Perpignan präsent. Zunehmend an Bedeutung gewinnen kleinere Kollektive von Fotografien wie Fractures oder Bob Photolab. Als reine Vermarktungsplattform ist Divergence Images angetreten.

Ähnlich wie Deutschland hat auch Frankreich eine lange Tradition von Nachrichtenmagazinen, die bis heute eine wichtige Plattform des Fotojournalismus darstellen. Unschlagbar und geschichtsprägend war das von von 1928 bis 1940 erschienene Magazin VU. Als Sponsor des Festivals trat das Magazin Paris Match auf, dass jedoch sehr stark Boulevard orientiert ist. Klassische Nachrichtenmagazine sind L'Express und Le Point sowie das etwas kleinere Regards. Wöchentliche Magazinbeilagen haben auch die Tageszeitungen Le Figaro und Le Monde. Unter den Tageszeitungen haben vor allem Le Monde, Le Figaro und Libération eine wichtige Bedeutung für den französischen Fotojournalismus.

Die bekannteste Fotozeitschrift ist "Photo", die jedoch keinen besonderen Fotojournalismusschwerpunkt hat. Den wichtigsten Platz innerhalb der unabhängigen Fotomagazinszene nimmt "6 mois" ein, das, wie der Name es erraten lässt, halbjährlich erscheint und schwerpunktmäßig die Fotografie einzelner Länder vorstellt. Ursprünglich nur auf französisch erscheinend hat sich "L'Oeil de la Photographie" (Das Auge der Fotografie) zu einer internationalen Onlineplattform für Fotografie in Französisch, Englisch und Chinesisch entwickelt.

Fotofestivals in Frankreich

Frankreich hat eine ganze Reihe von Festivals, die sich dem Fotojournalismus widmen. Das wohl bekannteste ist das in Perpignan stattfindende Festival "Visa pour l'Image", dessen Ausrichtung die Nachrichtenfotografie ist. Neben einem guten Dutzend Ausstellungen internationaler Fotografen gibt es Portfolioreviews, Diskussionsrunden, Fotografenvorträge und abendliche Projektionen. Stärker künstlerisch und dokumentarisch gibt sich das Festival Rencontres D'Arles, dessen Schwerpunktwoche im Juli eines jeden Jahres ist. Der Prix Bayeux-Calvados für Kriegskorrespondenten ist ebenfalls mit Ausstellungen zur Kriegsfotografie verbunden. Der wichtigste Ort für den fotografischen Kunstmarkt ist die Messe Paris Photo. Ende 2015 fand in Paris zum ersten Mal die "Biennale de Photo du monde Arabe" statt, die im kommenden Jahr ihre Fortsetzung finden wird. Zu einem der wichtigsten Awards hat sich innerhalb weniger Jahre der Prix Carmignac gemausert.

Nicht fehlen sollen an dieser Stelle auch einige kurze Hinweise auf Fotografiemuseen in Frankreich. Das bekannteste ist die "Maison Européenne de la Photographie" in Paris, die immer wieder auch große Dokumentarfotografieausstellungen auf den Weg bringt. Daneben gibt es kleinere Museen über das ganze Land verteilt, wie bspw. die Galeria "Chatea d'Eau" in Toulouse, das "Théatre de la Photographie et de l'image" in Nizza oder die "Maison de la Photographie" in Lille. In Perpignan hat sich im vergangenen Jahr das "Centre International du Photojournalisme" gegründet, das ein Online-Archiv aufbaut und im Winter zwei Ausstellungen sowie eine Dauerausstellung zeigt.

Dieser Artikel ist ein kleiner Einstieg in den Fotojournalismus in Frankreich. Gerne nehme ich Kommentare und Ergänzungen entgegen, auch über die Kommentarfunktion. Diejenigen, die mir auf Twitter folgen, können dort die Liste "Photojournalism in France" abonnieren. Eine Einführung in das Berufsbild Fotojournalist aus französischer Sicht bietet der Band "Etre photojournaliste aujourd'hui" aus dem Verlag Eyrolles.

Montag, 5. September 2016

Ein Blick auf die Probleme der Welt


Im südfranzösischen Perpignan trifft sich jedes Jahr Anfang September die internationale Fotojournalismusszene beim Festival "Visa pour l'Image". Schwerpunkt ist die sogenannte "Professional Week" mit Fotografenvorträgen, Podiumsdiskussionen, Portfoliosichtungen und abendlichen Projektionen. Daneben werden ein gutes Dutzend Ausstellungen international bekannter Fotojournalisten gezeigt, die vom langjährigen Festivalleiter Jean-Francois Leroy ausgesucht und zum Teil kuratiert wurden.

 

Die Fotografie, die in Perpignan zu sehen ist, lässt sich am besten mit den Stichworten Nachrichten- und Pressefotografie umschreiben. Viele der Fotografen die mit Ausstellungen vertreten waren, arbeiten frei oder festangestellt für internationale Agenturen wie Associated Press (AP), Agence France Presse (AFP), Reuters oder SIPA Press. Die Ausstellungen behandeln meist tagesaktuelle Themen, die in Form von umfangreichen Serien gezeigt werden. Im Vordergrund stehen in der Regel Themen aus der Konflikt- und Krisenberichterstattung. Krise wird dabei jedoch nicht nur politisch, sondern auch sozial und humanitär verstanden. Der Ruf Perpignans, ein Ort für die klassische Kriegsfotografie zu sein, konnte sich in diesem Jahr jedoch nicht bestätigen.

Das dominanteste Thema der diesjährigen Ausstellungen war die sogenannte Flüchtlingskrise, die beispielsweise von Yannis Behrakis von Reuters oder Aris Messinis von AFP eindrucksvoll ins Bild gesetzt wurde. Treffend war vor allem der Titel zu Messinis Serie "Krieg in Zeiten des Friedens". Dass die Flüchtlingskrise so prominent vertreten war ist nicht verwunderlich, war dies doch eines der wichtigsten Themen des letzten Jahres der internationalen Agenturen. Wie wichtig die Tagesaktualität für das Festival ist, zeigte sich auch am Monatsrückblick der wichtigsten Themen, der am Anfang der abendlichen Präsentationen stand. Andere ausgestellte Themen waren z.B. das Zika Virus in Brasilien (Felipe Dana), der Alltag von Abhängigen der Droge Paco in Argentinien (Valerio Bispuri) der Kampf gegen den IS (Frédéric Lafargue) oder der Krieg in Afghanistan (Andrew Quilty).

Ausnahmen von der Krise und die Ethik

Aber es gab auch Ausnahmen von der Krise. So war eine Serie der Französin Claire Allard zu sehen, die Backstage Bühnenarbeiter bei ihrer Arbeit begleitete. Leider war diese jedoch fotografisch sehr monoton im immergleichen Weitwinkelformat umgesetzt. Und Catalina Martin-Chico folgte den Spuren der letzten Nomaden im Iran zwischen ihren Sommer- und Winterlagern und zeigte die Schwierigkeiten, sich zwischen einem urbanen Leben und dem Nomadentum zu entscheiden. Mit dem Canon Female Photojournalist Award war schon 2015 die Arbeit von Anastasia Rudenko über Internate von Psychisch Kranken in Russland ausgezeichnet worden. Und Niels Ackermann lieferte ein intimes Porträt der Kinder von Tschernobyl in Slavutych, der jüngsten Stadt der Ukraine.

Einige der präsentierten Arbeiten entstanden in Zusammenarbeit mit NGO's oder wurden gleich komplett von Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen (Fractured State von Dominic Nahr über den Südsudan) oder politischen Institutionen wie dem Europäischen Parlament (Displaced über weibliche Migranten von Marie Dorigny) finanziert. Dies führte dieses Jahr auf dem Festival zu Recht zu einer von James Enstrin auf dem New York Times Lens Blog angestoßenen Debatte über die Ethik und die Unabhängigkeit des Journalismus. Wobei es sicherlich keine einfache Antwort auf die Frage gibt, wo in einem immer komplexer werdenden Fotojournalismusmarkt die Grenzen redaktioneller und fotojournalistischer Freiheiten liegen.



Visa und die Stadt

Nur höchsten selten wird das Festival im Kontext der Stadt Perpignan betrachtet, weshalb an dieser Stelle ein Hinweis in dieser Richtung nicht fehlen soll. Die Diskrepanz zwischen den für das Festival aus der ganzen Welt anreisenden Besuchern und der Stadt könnte nicht größer sein. Es herrscht eine seltsame Stimmung in der Stadt, die ein beklemmendes Gefühl hinterlässt. Dies liegt vor allem an den vielen geschlossenen Geschäften, der offensichtlichen Armut vieler Bewohner der Altstadt und einer offenen Drogenszene. Der Gegensatz zu den von der Polizei abgeschirmten Ausstellungsorten sowie den luxuriösen Abendempfängen auf der einen Seite und dem Alltag der Stadt auf der anderen Seite ist augenfällig und das wohl größte Paradox des Festivals.


Mehr Informationen zum jährlichen stattfindenden Festival gibt es auf der Webseite www.visapourlimage.com und dem dazugehörigen Blog https://visapourlimage.wordpress.com/. Etwas ausführlichere Rezension zu Visa werden demnächst beim Onlinemagazin "Menschen machen Medien" der DJU sowie in der Oktoberausgabe der Zeitschrift Photonews erscheinen.